GOOD TO GO: Bangkok kulinarisch
Ladies First

Bangkok hat sich zum Gourmet- Hotspot entwickelt. 36 Michelin- Sterne leuchten über der Metropole, sechs stehen auf der Liste von „The Worlds 50 best Restaurants“. Mehr als anderswo sind es Köchinnen, die das Zepter in der Küche schwingen. CC-Autorin Kiki Baron hat in ihre Töpfe geschaut.
Appetit auf Bangkok
Bangkok im September: Die Luft ist ungewöhnlich klar. Der Regen in den Sommermonaten hat den dicken Smog, der sonst über der Stadt hängt, weggespült. Und so genieße ich von meiner Suite im The Peninsula aus den fantastischen Blick. Vom Heliport auf dem Dach reicht das 360°-Panorama sogar bis zum Horizont. Seit meinem letzten Besuch vor etwa acht Jahren haben sich die Wolkenkratzer deutlich vermehrt. Nebenan steht jetzt das kühne Terrassen-Bauwerk der Shoppingmall ICONSiam. Dort sind die meisten internationalen Nobellabels versammelt, und im Untergeschoss locken zahlreiche Streetfoodstände. Wer sich nicht an die Garküchen auf Bangkoks Straßen traut, findet hier in einer aufwendig gestalteten und klimatisierten Halle hygienisch zubereitete Landesspezialitäten. Eine der berühmtesten ist Green Curry, ein suppiger Mix von Huhn oder Garnelen, die in Kokosnussmilch baden. Weitere Zutaten sind Gemüse, Chili, Zitronengras, Thai-Basilikum und Koriander. Aroma-Basis ist Grüne Currypaste. Chefin Ying, Oberhaupt von Hotelrestaurant „Thriptara“ demonstriert bei einem Kochkurs, was sie für die Zubereitung benötigt. Ich bewundere die zarte Frau, wie sie im steinernen Mörser mit dem schweren Stößel in maximal zwei Minuten alles zu einer homogenen Masse zusammenstampft. Beim Nachahmen fühlt sich mein Arm schon nach ein paar Sekunden ausgepowert an. „Funktioniert auch mit dem Thermomix“, sagt sie, „doch der Geschmack ist nicht derselbe“.
Im Bild: Chefin Ying und Autorin Kiki Baron beim Zubereiten eines Green Currys

Potong – das kulinarische Reich von Pichay Soontornyanakij
Sterneküche in einer alten Apotheke
Zum Sonnenuntergang besteige ich die Express-Fähre nach Chinatown. Die rasante Fahrt geht am golden illuminierten Königspalast und dem phallusartigen Wat Arun vorbei zur Station Ratchawong. Nicht weit vom Anleger entdecke ich Bangkoks neuestes Trendviertel Song Wat. Früher Sammelsurium von maroden Shop-Häusern und Lagerhallen, haben sich hier inzwischen coole Cafés, Galerien und schicke Boutiquen etabliert, für Influencerinnen aus Fernost reizvolle Tik-Tok- und Instagrammotive. Ein paar Gassen weiter versteckt sich das Restaurant „Potong“. Chefköchin Pam, mit vollem Namen Pichaya Soontornyanakij, ist eine der meist ausgezeichneten Frauen in der globalen kulinarischen Szene. Michelin-Stern, weltbeste Köchin bei „World’s 50 best Restaurants“, drei Messer bei den „Best Chef Awards 2025“, um nur einige zu nennen. Die Gastronomie schichtet sich über vier Stockwerke. Von unten bis oben wabert lauschiges, fast geheimnisvolles Flair. Dunkles Holz dominiert, asiatische Antiquitäten versetzen mich in eine andere Epoche. Das Haus ist 120 Jahre alt und beherbergte einst die chinesische Apotheke von Pams Familie – Opiumhöhle inklusiv. Sie wurde zur Bar umgestylt. Avantgardistisch stellt sich die spielerisch-kunstvolle Präsentation ihrer Speisen dar. Sie zitieren thai-chinesische Kulinarik-Kultur, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde. Wie das Rezept der Pekingente. Hier liegt ein Streichholzschachtel großes Teil knusprig gerösteter Entenbrust, das Fleisch 14 Tage gereift, auf Steckrüben Cake vor mir. Geschmeidige Erdnussbutter-Sauce umgarnt es. Originell der wie ein Entenschnabel geformte Teller.

Nahm Gourmet-Hotspot im COMO Metropolitan
Salat mit Blättern vom Rose Apple Tree
Auch im mit einem Stern gekrönten Thai-Restaurant „Nahm“ begegne ich einer Frau als führende Kraft in der Küche – Pim Techamuanvivit (im Bild links). Und erlebe gewissermaßen ein Kontrastprogramm. Puristisch in hellbraunen und schwarzen Naturmaterialien designt, ziehen die farbenfrohen Salate und Currys den Blick auf sich. Chefin Pims Konzept orientiert sich am traditionellen Service. Das heißt, die duftende Kost wird nicht nacheinander angerichtet, sie kommt gleichzeitig auf den Tisch und jedes Gericht ist zum Teilen gedacht. „Flavours through time – 15 years of authentic Thai Cuisine“ steht auf der Menükarte. Doch Nahm hätte keinen Stern, wenn Altes wiederholt würde. Hier wird mit besten saisonalen Zutaten innovativ gearbeitet. Der Salat Yam Pak Yang Tawai beispielweise besteht aus diversen unterschiedlich schmeckenden Blättern, süßlich-herbe vom Rose Apple Tree und die säuerlichen von wildem Pfeffer darunter. Das cremige Kurkuma-Curry mit Blue Swimmer Crab, einem weichschaligen Krebs, ist mit Calamansi Juice und bitter-pfeffrigen Betel Leafs aromatisiert. Nicht zu vergessen, das Red Curry mit Wagyu, Kokosnuss-Sprossen und grünem Pfeffer. Bei jedem Happen explodiert die delikate Fülle der Aromen geradezu im Mund. Das Restaurant gehört zum COMO Metropolitan, das nach rundum Renovierung soeben wieder eröffnet wurde.

Ton Tassanakajoh: Der Chef vom Le Du Kaan gehört zu den 50 besten Köchen der Welt
36 Michelin-Sterne
Wer lange nicht in Bangkok war, dürfte sich wundern, mit welchem Angebot an Gourmettempeln die zehn Millionen Metropole jetzt aufwartet. 36 Michelin-Sterne vereinigen sich hier, darunter auch das „Sorn“ mit drei und das Restaurant „Sühring“ mit deutscher Hochküche mit zwei. Beide stehen zudem auf der Liste der „World’s 50 best Restaurants“, zusammen mit weiteren vier. Ein weiteres ist das „Nusara“. Chef Thitid „Tonn“ Tassanakajohn zählt zu den angesagtesten Köchen Asiens. Zusammen mit Bruder Tam als Sommelier führt er das Restaurant mit 20 Plätzen. Ich habe einen Tisch am Fenster ergattert und labe mich anfangs am Blick auf das wunderschön beleuchtete Ensemble des Königspalasts mit dem Wat Pho. Besser nicht allzu viel ablenken lassen. Die Speisen des 12-Gang-Menüs basieren auf der Kochkunst der von den Brüdern geliebten Großmutter Nusara – daher auch der Name des Restaurants. Die innovativen Schöpfungen sind, was die Harmonie von Aromen und Texturen anbetrifft, perfekt und in ihrer Aufwendigkeit unbeschreiblich. Sei es der Salat von Farnspitzen und geräucherten Meermandeln, eine Muschelart, der spicy-tropische Obstsalat mit Tintenfisch oder Wagyu Short Rib mit „Heiligem Basilikum“. Letzteres eine fruchtig-frische Variante des Krauts mit zartem Touch von Nelkengewürz. Chef Tonn ist ebenfalls Inhaber von „Le Du“ und damit der einzige Koch Thailands, der mit zwei Restaurants gleichzeitig auf der World‘s Bestenliste steht, zudem tragen beide einen Michelin-Stern. Eine sensationelle Rooftop Eatery mit Sky Bar gehört ebenfalls dazu – „Le Duc Kaan“. Die Terrasse im 56. Stock des Wolkenkratzers The Empire ist zwar durch eine drei Meter hohe Glaswand gesichert, doch Leute mit Höhenangst dürften trotzdem in Schnappatmung verfallen.

Grosser Auftritt im Anantara Siam
Crispy Pork Belly trifft Cremetorte
Dank eines Tipps vom Peninsula-Concierge lasse ich mich im neu eröffneten „E-ga“ nieder. Ein Neighbourhood Thai-Lokal nahe der Skytrain Station Saint Louis – mal was Bodenständiges mit vergleichsweise günstigen Preisen. Die Einrichtung geht in Richtung ländlich rustikal, die Gäste sind jung, attraktiv und, wie man am Dress erkennt, aus der oberen Gesellschaftsschicht. Ich bestelle die empfohlene Spezialität: e-ga Crispy Pork Belly & Sweet Soya Sauce. Und bin von der Qualität tatsächlich begeistert. Einen Namen hat sich das Restaurant zudem für seine Konditorei gemacht. Ein Dutzend verführerische Creme- und Sahnetorten lockt. Als krönendes Finale meiner kulinarischen Reise tauche ich ins „World Gourmet Festival“ im Luxushotel Anantara Siam ein. An vier Abenden fabrizieren Bangkoks Sterneköche, jeweils Hand in Hand mit einem berühmten Chef aus der restlichen Welt, ein 11-Gang-Menü. So habe ich die Gelegenheit auch noch die indische Gourmetküche von „Inddee“ zu genießen. Chef Sachin Poojary kommt mit Kochpartner Peter Cuong Franklin vom Anan in Saigon. Dass das Erlebnis outstanding ist, muss ich nicht weiter betonen. Foodies, die 2026 Bangkok besuchen wollen, sollten sich den nächsten Termin des kulinarischen Festivals vielleicht vormerken. Bis dahin hat das Anantara Siam, als Peninsula vor 42 Jahren eröffnet, später als Regent, dann als Four Seasons gemanagt, alle Renovierungsarbeiten längst abgeschlossen. Im Bild: Sachin Poojary vom Restaurant Inddee in Anan Saigon war beim World Gourmet Festival zu Gast.