EXPERTS ON TOUR: Lanzarote
Auf den Spuren César Manriques

Der Künstler und Architekt César Manrique hat Lanzarote geprägt und die Insel zum Vorbild für nachhaltigen Tourismus gemacht. CC VIP-Autorin Susanne Freitag ist den Spuren des Visionärs nachgegangen.
Pionier der Nachhaltigkeit
Wer Lanzarote besucht, kommt an César Manrique nicht vorbei: Der berühmteste Sohn der Insel ist Namensgeber des Flughafens, in Arrecife erinnert eine Statue an ihn, und viele Kreisverkehre sind mit seinen Skulpturen und Windspielen geschmückt. Manrique war Künstler und Architekt – für die rund 200.000 Lanzaroteños jedoch vor allem derjenige, der ihre Insel zu einem Vorbild für nachhaltigen Tourismus gemacht hat. Schon in den 1960er Jahren setzte er sich für eine behutsame Bau- und Tourismuspolitik ein, die die Insel vor den Fehlern des Massentourismus schützen sollte.
Nach seiner Philosophie „Kunst-Natur/Natur-Kunst“ schuf er Werke, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Zu den bekanntesten zählen die 1977 gestalteten Jameos del Agua: Lavahöhlen mit einem unterirdischen See, einem Café und einem Auditorium. Mittelpunkt ist der blitzweiße Pool mit türkisfarbenem Wasser, umrahmt von schwarzem Lavagestein sowie Palmen und Kakteen in sattem Grün – die Farben Lanzarotes, die in Manriques Werk immer wiederkehren. Im geologischen Museum „La Casa de los Volcanes“ erfahren Besucher mehr über den vulkanischen Ursprung der Insel und VR-Brillen lassen sie tief in das Höhlensystem eintauchen.
Im Foto: Jameos del Agua
Vulkanische Atmosphäre
Noch näher kommt man dem Künstler in der Fundación César Manrique, seinem ehemaligen Wohnhaus in Taro de Tahíche. Ein aus dem Lavastrom ragender Feigenbaum inspirierte ihn 1970, genau dort zu bauen. Heute führen Treppen in fünf unterirdische Lavablasen, die er zu Wohnräumen formte; darüber liegt ein Ausstellungsbereich mit Werken Manriques und anderer Künstler. Besonders eindrücklich wirkt ein Fenster, durch das die Lavasteinwand förmlich in den Raum hineinfließt. Im Garten leuchtet ein türkisfarbener Pool, und Designliebhaber entdecken Möbel-Ikonen wie die Pastil- und Bubble-Chairs des finnischen Designers Eero Aarnio.
Spektakulär ist auch der Timanfaya-Nationalpark, die „Feuerberge“ im Südwesten der Insel. Die dramatisch anmutenden Vulkane und Lavafelder erinnern an eine Marslandschaft. Das Schutzgebiet darf nur per Bus oder auf Dromedartouren erkundet werden. Ausgangspunkt ist das von Manrique entworfene Restaurant El Diablo, das sich wie ein Raumschiff über den Hügel erhebt. Durch die rundum verglasten Wände schweift der Blick über Krater und erkaltete Ströme. Direkt davor demonstrieren Parkmitarbeiter die vulkanische Hitze: Sträucher entzünden sich binnen Sekunden und Wasser schießt als Dampffontäne aus der Erde. Unter der Oberfläche herrschen rund 300 Grad Celsius – Hitze, die das Restaurant als natürlichen Grill nutzt.
Nachhaltig luxuriös
Einige Hotels der Insel pflegen bis heute eine Verbindung zu Manrique. Das Seaside Los Jameos in Puerto del Carmen wurde beispielsweise von Architekten entworfen, die der Meister einst ausgebildet hat. Das Haus mit vier Stockwerken folgt dem für die Insel charakteristischen Baustil mit blauen Fensterläden und weiß getünchten Wänden. Die lichtdurchflutete Empfangshalle ist dem 'Patio Canario' – einem für die Kanarischen Inseln typischen Innenhof – nachempfunden. Er wird umrahmt von aufwendig verarbeiteten Holzbalkonen und einer Treppe. In der ersten Etage beherbergt das Hotel ein kleines Museum, das der Folklore und dem traditionellen Handwerk der Insel gewidmet ist. Ausgestellt sind etwa typische Trachten, landwirtschaftliche Geräte, Kutschen und Webstühle.
Auch im Bereich Nachhaltigkeit orientiert sich das Hotel an Manriques Philosophie und setzt auf Abfallvermeidung und Energieeffizienz. Seit 2024 ist Diana Guedes in der neu geschaffenen Position als Umweltbeauftragte für alle vier Hotels der Hamburger Seaside Collection auf den Kanaren zuständig. Anhand einer von ihr erstellten Diagnose unter Berücksichtigung aller Bereiche der Hotels wird entschieden, was umsetzbar ist. Im Seaside Los Jameos sollen dabei auch die Gäste einbezogen werden. Geplant sei etwa, einen kurzen Nachhaltigkeitsbericht in den Zimmern auszulegen. „Das Seaside Los Jameos ist das Fortschrittlichste aus der Gruppe“, erklärt Guedes. 2007 wurde das Hotel einer umfassenden Renovierung unterzogen, mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Heute ist es – mit Ausnahme der Küche und Wäscherei – energieautark. Dafür sorgen etwa Solarthermie-Kollektoren, aerothermischen Systeme und Wärmerückgewinnungs-Technologien.
Im Foto: Seaside Los Jameos
Frischer Glanz
Bis zum vergangenen Herbst wurden alle 528 Zimmer renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Die Zimmer der neuen Kategorie Premium Superior sind mit großzügigen Walk-in-Duschen ausgestattet. Das neue Buffet- und Restaurantkonzept umfasst Live-Cooking-Stationen auf der überdachten Terrasse. Zusätzlich gibt es lokale Spezialitäten im neuen Paella-Restaurant und ein neues Milk-Lab mit Shakes, Eis und Snacks. „Einige Rezepte sind von der Familie Gerlach vorgegeben“, erklärt Hoteldirektorin Beate Sekula, darunter die Hühnchenmarinade und das Waffelrezept. Seit 16 Jahren schwingt Küchenchef Vicente Félix Rodríguez das Zepter über eine knapp 70-köpfige Mannschaft. Der gebürtige Lanzaroteño arbeitet eng mit einheimischen Landwirten, Fischern und Winzern zusammen, die ihm die frischen Zutaten für seine Gerichte liefern. „Wir organisieren den Einkauf für alle kanarischen Hotels der Gruppe gemeinsam“, erklärt er. Acht Prozent der Lebensmittel im Seaside Los Jameos stammten direkt von der Insel und 70 Prozent kämen per Schiff von Gran Canaria und Tenerifa.
Im Foto: Monumento al Campesino
Wie im Paradies
Das wohl bekannteste Hotel der Insel, das mit César Manrique in Zusammenhang gebracht wird, ist das Paradisus Salinas Lanzarote von Meliá in Costa Teguise, das er 1977 zusammen mit dem Architekten Fernando Higueras entworfen hat. Das Haus mit 272 Zimmern steht unter Denkmalschutz. Manrique war maßgeblich an der Gestaltung der Gartenanlage, der Pool-Landschaft und der Innenarchitektur beteiligt. Vor allem ein kleiner Wasserlauf im Innenhof und ein riesiges Wandgemälde quer durch das Malva Restaurant stammen von ihm.
Das letzte große Werk von Manrique, der 1992 bei einem Autounfall in der Näher seines Wohnhauses – der heutigen Fundación – Tahíche ums Leben kam, ist der Jardín de Cactus in Guatiza. Auf dem Gelände einer ehemaligen Grube zur Gewinnung von Vulkansand hat er seine Gestaltungskunst formvollendet in die Natur integriert: Mehr als 1.500 Kakteenarten aus allen Ecken der Welt entfalten sich wie in einem Amphitheater, das sich um ein zentrales Areal mit Teich schmiegt. Am höchsten Punkt des Gartens thront eine alte Mühle, von der aus sich ein Panoramablick bietet, der die Schönheit des Gartens in seiner ganzen Weite erfasst.