GOOD TO HEAR: Wolfgang Greiner, Senior Vice President Althoff Collection

„Zu Hause bei Freunden“

Seit April 2025 ist Wolfgang Greiner Senior Vice President Althoff Collection. Er ist Teil des Führungsteams der Althoff-Gruppe auf Marken-Ebene und blickt auf jahrelange Erfahrung in der Luxus-Hotellerie mit Stationen in Hamburg, München, Salzburg, New York, Miami und auf den Bermudas zurück. CC VIP-Autorin Susanne Freitag hat Greiner in Cannes getroffen.

Herr Greiner, was hat Sie an der Aufgabe bei Althoff gereizt? Nach Positionen bei internationalen Brands und Ketten ist es eine reizvolle Aufgabe und eine schöne Abwechslung, in ein Unternehmen zu kommen, dem die drei Marken, die es betreibt, gehören. Außerdem ist die Althoff Collection eine tolle Sammlung individueller Fünf-Sterne-Häuser und sowohl die Eröffnung des The Florentin in Frankfurt im Herbst 2025 als auch die Wiedereröffnung des Althoff Dom Hotel Köln in diesem Jahr sind spannende Projekte. Das Unternehmen steht für einmalige Restaurants in ihren Hotels, für herausragenden Service mit Werte orientierter Unternehmensführung sowie für unverwechselbare Architektur – ein Zusammenspiel, das mich sehr anspricht.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt? Ich bin ein sehr qualitätsorientierter Hotelbetreiber, allein schon aus meiner Historie als Geschäftsführer und Area General Manager der Schloss Fuschl Betriebe und als General Manager des Mandarin Oriental Munich heraus. Wenn man individuelle fünf Sterne Luxushäuser betreibt, geht es darum, das Branding gut zu definieren und sich dann auf das Thema Mitarbeiter, Kollegen und Service Excellence zu konzentrieren. Der Rest kommt meistens relativ schnell von alleine.

Was heißt das konkret? Ich habe selbst mehr als 20 Jahre Hotels geführt und bin niemand, der aus einem Büro heraus versucht, Prozesse und Abläufe und Qualität zu verbessern, sondern ich besuche die Häuser und versuche, auf Augenhöhe gemeinsam mit den Direktoren Wege für Verbesserungen zu finden.

Wie gelingt die Balance zwischen Markenstringenz und Individualität? Wir haben es natürlich ein bisschen leichter als etwa Hilton, Marriott oder Mandarin Oriental, also Unternehmen mit stark festgelegte Marken und unterschiedlicher Flexibilität. Wir haben den großen Vorteil, dass wir die Marken auch selbst verwalten und dadurch Dinge schneller ändern und anpassen können, ob es um Modernisierungen oder das Gästeerlebnis geht. Letztendlich wollen wir eine Atmosphäre schaffen, die einer familiengeführten Hotelgruppe entspricht. Dazu zählt das Thema „zu Hause bei Freunden“. Die Gäste sollten einen Unterschied erkennen zwischen einem klassischen, internationalen Haus und einem familiengeführten Hotel.

Welche Rolle spielt „German Luxury“ dabei? Das spielt schon auch eine Rolle. Auch hier wollen wir gewisse Markenerlebnisse gestalten, die typisch für die deutsche Hotellerie, aber auch typisch für die Geschichte der Hotelgruppe sind.

Die Gruppe ist stark gewachsen. Geht es so weiter? Der Fokus liegt vorerst auf den neuen Leuchtturmhotels in Frankfurt und Köln. Natürlich könnte auch noch etwas dazukommen, vielleicht angrenzend an Deutschland. Es ist hierzulande nicht so ganz so einfach, Hotels zu finden, die das mitbringen, was wir suchen.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob ein Haus zur Collection passt? Nach vielen Kriterien, wie beispielsweise die Lage und die Historie. Auch das hochwertige Gastronomie-Angebot ist eine unserer Säulen. Hier sind wir nicht nur auf Hotelgäste ausgerichtet, sondern brauchen auch ein entsprechendes Umfeld.

Im Herbst 2025 eröffnete The Florentin in Frankfurt. Was macht das Haus aus? Ich finde es immer schade, wenn Hotels vom Markt gehen – wie die ehemalige Vila Kennedy. Umso mehr freue ich mich über die Eröffnung von The Florentin an diesem besonderen Platz. The Florentin ist ein herausragendes Projekt: Die Villa der Familie Beit von Speyer von 1901 bildet den architektonischen Anker des Hauses. Gemeinsam mit den erweiterten Gebäudeflügeln und dem The Garden Courtyard entsteht ein Ensemble, das Historie und Gegenwart miteinander verbindet. Hinzugekommen sind ein großzügiger Spa und Wellnessbereich und ein tolles, gastronomisches Angebot. the dune ist ein herausragendes kulinarisches Erlebnis und zeigt dennoch eine lockere Herangehensweise an das Thema hochwertige Gastronomie, und die Bar ist auch für sich alleine einen Besuch wert. Das Herz ist der Innenhof, in dem man toll sitzen kann und die Veranstaltungsräume in der Villa sind wirklich besonders.

Welche Rolle spielt KI im Unternehmen. Lässt es sich nutzen, ohne den persönlichen Service zu verlieren, für den Althoff steht? Ja, wir haben erste Probeläufe mit KI, um Wartezeiten am Telefon zu verhindern. Wenn man es mal nicht schafft, nach drei- oder viermal Klingeln abzuheben, übernimmt KI. Die Diskussionen sind immer groß, ob das für ein Luxushotel angemessen ist. Ich glaube, im Bereich der Reservierung etwa im Restaurant oder auch bei der Hotelauskunft kann man damit arbeiten. Gute Erfolge erzielen wir auch im Bereich der Robotik, etwa bei der Reinigung. Wir haben Saugroboter, die nachts auf den Gängen sehr leise unterwegs sind. Wir denken je nach Brand auch über Möglichkeiten des Online Check-ins nach. Da hinkt die Hotellerie ja den Airlines hinterher: Niemand geht heute mehr an den Schalter und holt sich seinen Boardingpass – auch nicht in der First Class. Solche Maßnahmen sind für die Kunden angenehmer und geben uns mehr Zeit für persönlichen Service.

Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit ist für uns heute ein großes Thema. Wir versuchen, uns über viele Initiativen zertifizieren zu lassen. Zum anderen schauen wir aber auch in den Hotels, wie wir einfach Energie und Ressourcen sparen können. Regionalität spielt ebenfalls eine große Rolle. In unseren Restaurants geht es darum, gute Produkte aus der Region zu finden. Auch das ist mittlerweile Luxus. Früher konnten die Lebensmittel in den Restaurants eines Luxushotels nicht weit genug herkommen. Heute steht das regionale Bioprodukt eher für Luxus als ein Fisch, der 48 Stunden durch die Welt geflogen ist.

Wie definieren Sie persönlich den Begriff Luxus? Zeit ist für mich ein großer Luxusfaktor. Wir haben es schon angesprochen beim Thema KI und Robotik. Die Gäste sollen Zeit für sich und Zeit für Erlebnisse haben. Und unsere Mitarbeiter sollen Zeit für die Gäste haben. Wir haben lieber einen Barkeeper mehr, der auf die Gäste und ihre Wünsche eingehen kann. Zur Zeit kommen Raum und Platz.

www.althoffcollection.com