GOOD TO GO: Destination des Monats

Am Gardasee wird's mondän!

Italiens größter See erlebt eine „Fünf-Sterne-Bewegung“ der touristischen Art: Weil man sich auf die klimatischen Vorteile allein nicht mehr verlassen will, setzt man jetzt auch auf mehr Qualität als Quantität sowie auf neue Luxushotelprojekte.

Fast wie am Mittelmeer

In Gardone Riviera ist stabiles, mild-mediterranes Wetter Standard. „Aria della Fortuna“ nennen es die Italiener blumig. Noch präziser formuliert Alice Lancini, Verkaufsleiterin des Grand Hotel Fasano, die begünstigte Lage: „Wir haben hier ein Klima wie in der Toskana. Im Süden und in der Mitte ist es sogar noch besser als am Comer See“. Das westliche Ufer gilt zugleich als das eleganteste, hier thronen noble Hotel-Evergreens und edle Palazzi wie eben das Grand Hotel Fasano oder die Villa Feltrinelli. Das östliche Ufer mit Lazise gilt als das belebteste und touristischste. Wobei es auch im Norden ganz schön rund gehen kann, mit dem schmucken Riva als populäres Ziel, wo sich erstaunlich unterdurchschnittliche Ristoranti und Eissalons finden und High-End-Traveller nur in einem einzigen echten Luxusresort, dem Lido Palace, vor Anker gehen können. Landschaftlich ist der nördliche Abschnitt jedoch ein Hit: Erinnerungen an norwegische Fjorde werden wach, mit dramatischen Felsformationen und Zweitausendern wie dem Monte Baldo. Wer die Kunst beherrscht, den sommerlichen Rummel auszublenden oder in der Vor- oder Nachsaison anreist, wird einsinken wie einst Johann Wolfgang von Goethe, der Verona links liegen ließ: „Bin köstlich für meinen Umweg belohnt“. Dichter und Denker haben sich immer schon vom Charme, der Luft, dem Duft und den Farben inspirieren lassen, nicht nur Goethe, sondern auch Dante, Rilke, Nietzsche, Kafka … Der englische Schriftsteller D. H. Lawrence, der vor dem Ersten Weltkrieg über ein halbes Jahr in einem Haus in Gargnano lebte, verstieg sich sogar zur Behauptung: „Ein See, so schön wie der Beginn der Schöpfung“.

Der Duft des Südens

Gespeist wird die Schöpfung aus der Eiszeit primär durch den Fluss Sarca, der bei Torbole in den See fließt und ihn als Mincio bei Peschiera im Süden wieder verlässt, um sich später in den Po zu ergießen. Drei Regionen kuscheln sich an den Lago: Trentino-Südtirol im Norden, die Lombardei im Westen und Venetien im Osten. Mit 370 km2 ist der Gardasee außerdem der größte See Italiens, mit Respektabstand vor dem italienisch-schweizerischen Lago Maggiore mit 212 und dem Comer See mit 146 km2. An manchen Stellen strahlt der Gardasee die Anmut eines Meeres aus, und auch die Natur zeigt ihre ganze Bandbreite. Sie pendelt zwischen alpin und italophil: von Kalksteingipfeln, Nadelwäldern und Weinbergen bis zu Palmen, Olivenhainen, Zitronenbäumen und betörend duftendem Lavendel. Im See tummeln sich über 30 Fischarten, und darüber fegen bis zu neun unterschiedliche Winde, besonders kräftig im Norden – sehr zur Freude der Surfer und Segler.

Glamour reloaded

Verstärkt reiten will man am Gardasee die Glamourwelle. Bisher lautete das Kräfteverhältnis so: Der Comer See hat Clooney, der Gardasee deutsche Sternchen. Mit neuen, fashionablen Herbergen und originellen Konzepten soll sich der Wind ein wenig drehen. Das abseits des überlaufenen Ortskerns von Limone errichtete Fünfstern-Wellnesshotel EALA („My lakeside dream“) ist der prominenteste Neuzugang dieses Frühjahrs. Bei Sirmione wird ein Refugium des Grödener Hoteliers Ralph A. Riffeser für alleinerziehende Elternteile mit Kind(ern) entstehen. Alice Lancini vom Grand Hotel Fasano kann von einem weiteren vielversprechenden Upgrade-Versuch erzählen: „Sobald die Amerikaner wieder reisen können, werden ihnen die Tour Operators den Gardasee als neue Destination vorschlagen. Früher führte die US-Touristen der erste Italientrip nach Venedig, Rom und Florenz. Der zweite ging an den Comer See. Der dritte soll künftig auch von ein paar Tagen Gardasee aufgeputzt werden“.

ANKOMMEN Je nachdem, welche Seeseite favorisiert wird, empfehlen sich die Flughäfen von Verona, Brescia, Bergamo, Venedig oder Mailand. Vom Mailänder Hauptbahnhof geht es mit dem Zug günstig und schnell ans Südufer (Stationen Desenzano oder Peschiera). Mit dem Auto: Via A22 (Brenner–Modena) zum östlichen und nördlichen Seeufer, über die A4 (Mailand–Venedig) zum südlichen. www.visitgarda.com

ATTRAKTIONEN UND AUSFLÜGE ■ ANDRÉ HELLERS BOTANISCHER GARTEN Die perfekte Vermählung von Natur und Kunst, mit etwa 3.000 Blumen- und Pflanzenarten aus der ganzen Welt sowie Skulpturen und Installationen von Keith Haring oder Roy Lichtenstein. Ganz in der Nähe dieser 10.000-m2-Oase in Gardone Riviera findet sich der schräge Museumskomplex „Il Vittoriale degli Italiani“ zu Ehren des Dichterexzentrikers Gabriele d’Annunzio. www.hellergarden.com www.vittoriale.it

PUNTA SAN VIGILIO Die Halbinsel zwischen Bardolino und Torri del Benaco wird gerne als „Portofino des Gardasees“ gehypt. Auf der VIP-Gästeliste: Winston Churchill und Prinz Charles. ■ ISOLA DEL GARDA Die größte der fünf Inseln im See dominieren ein palastähnlicher Prunkbau und Gärten mit seltenen karibischen Pflanzen. Exklusive Rundgänge gegen Voranmeldung ab 13. April. Ebenfalls am Westufer gelegen: das zweitgrößte Eiland, die „Kanincheninsel“ San Biagio. Bei niedrigem Wasserstand ist sie zu Fuß vom lokalen Campingplatz erreichbar. www.isoladelgarda.com

■ LIMONAIA LA MALORA Ein Besuch der „Zitronenküste“ am Westufer wäre nicht komplett ohne einen Abstecher in eines der ältesten noch heute betriebenen Zitronengewächshäuser. Im „La Malora“ in Gargnano wird die jahrhundertealte Geschichte kurzweilig von Vater und Sohn erzählt. www.limonaialamalora.it ■ GARDALAND Italiens berühmtester und meistbesuchter Themenpark bei Peschiera. www.gardaland.it

WINE & DINE Die Gemeinde Valeggio sul Mincio südlich von Peschiera ist ein ursprüngliches Stück Italien mit einer legendären kulinarischen Spezialität: Tortellini Nodi d’Amore („Liebesknoten“). www.ristorantivaleggio.it ■ Oberhalb von BARDOLINO sollte zum Einkehrschwung ins „Weinmuseum“ der Familie Zeni angesetzt werden. Jüngster Coup: Eine sinnliche Aromengalerie („Galleria olfattiva“)! Die errochenen edlen Tropfen werden nach dem Rundgang probiert, naturalmente zu feinem Fingerfood. www.museodelvino.it www.zeni.it/visite/galleria-olfattiva

SPORTLICHE AKTIVITÄTEN ■ KLETTERN: Mit über 50 Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade ist Arco das Climber-Mekka. ■ SURFEN Das „Dreieck“ Riva-Malcesine-Limone gilt als inoffizieller Surf-Hotspot Europas. Campione ein Stück weiter südlich bietet Wind- und Kitesurfern beide Windrichtungen an einem Ort (Peler am Morgen, Ora nachmittags). ■ BIKEN Besonders abwechslungsreich rund um Brenzone und Limone. Direkt am See entlang führt der 18 Kilometer lange „Lungolago“ von Garda nach Lazise. Fortgeschrittene Mountainbiker lieben die Auffahrt zum Monte Baldo. Wer Zweifel hat: Die Panoramaseilbahn von Malcesine transportiert auch Räder. www.funiviedelbaldo.com

■ WANDERN Der populäre „Ponale“ von Riva aus ist ein atemberaubendes Erlebnis. Geliebt auch von Radfahrern.

KULTUR IN VERONA ■ Die 2020 ausgefallenen Opernfestspiele in Verona sollen 2021 vom 19. Juni bis 4. September stattfinden. Eröffnungshöhepunkt: 150 Jahre Aida (Konzertaufführung mit Riccardo Muti als Dirigent). www.arena.it ■ Anlässlich des 700. Todestages von Dante zeigt die Galerie GAM vom 23. April bis 3. Oktober die große Ausstellung „Zwischen Dante und Shakespeare: Der Mythos von Verona“. Mit einem eigenen Stadtplan oder per App lässt sich zudem „Auf den Spuren von Dante in Verona“ wandeln. www.danteverona.it