GOOD TO HEAR: Branchen-Talk mit Astrid Oberhummer/loop

„Wir haben eine wunderbare und tolle Branche”

Es war für die meisten Teilnehmer wohl DER Branchenevent der Saison: Die loop Spring fand Anfang des Monats nicht nur in Portugal, im schönen Küstenstädtchen Cascais, sondern auch in der beeindruckenden Kulisse des Grand Hotel Italia statt. Gründerin Astrid Oberhummer zog für CC VIP nach der Veranstaltung eine emotional-euphorische Bilanz.

Power-Paar: Astrid Oberhummer und Andreas Müller hosteten die bejubelte loop Spring in Cascais.

So ungewöhnlich die Location, so außergewöhnlich auch die Aussteller und Einkäufer, die zum Teil zum ersten Mal zu den „loopers“ zählten. Trotz intensiver Gespräche und fruchtbaren Austauschs tagsüber wurde abends in lockerer Partyatmosphäre noch weiter genetzwerkt. Denn auch das Feiern liegt den loop-Teilnehmern inzwischen im Blut. Und wie immer hat das Lobster-Team gemeinsam mit seinen Gästen bei einer James-Bond-Party im Palacio Cascais ganz groß aufgedreht: Vintage Cars, trällernde Loop-Teilnehmer, die feurige Tanzgruppe Remix und ein Pop-up-Casino heizten die „Work & Play“-Atmosphäre so richtig an.

Vor Kurzem ist eine bejubelte loop Spring in Cascais über die Bühne gegangen. Warum hat die loop diese Location in Portugal gewählt? Der Grund ist eigentlich sehr einfach: Wir wollten unseren Ausstellern und Einkäufern die größtmögliche Planungssicherheit in Pandemiezeiten bieten. Durch unsere Erfahrungen mit unseren loops im November 2021 in Wien, wo wir mit der loop MICE und loop Media in den Lockdown hineingeschlittert sind, obwohl niemand mehr zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet hätte, wollten wir für 2022 die Risiken bestmöglich ausschließen. In Deutschland war es aufgrund des Infektionsschutzgesetzes und der damit unberechenbaren Richtlinien zu unsicher, eine Veranstaltung durchzuführen.

„Work & Play“ bei der James-Bond-Party im Palacio Estoril

Die Hygienemaßnahmen, Versammlungs- und Einreisebestimmungen wurden in Europa ja auf ein erträgliches Maß gelockert. Hat sich die loop Spring für Sie angefühlt wie ein loop-Event vor der Pandemie? Nein, nicht wirklich, und das wird es auch noch lange nicht. Die Omrikon-Variante ist einfach nicht aufzuhalten, und das schwebt natürlich über unserer aller Leben – egal, was wir tun. Aber jeder muss für sich persönlich entscheiden, wie er mit dieser Situation eigenverantwortlich umgeht. Wir haben beispielsweise zusätzlich zu den Impfungen und trotz keiner gesetzlichen Vorgabe auf einen Negativ-Test bei Anreise zur loop bestanden, was auch bei einigen Kollegen auf Unverständnis gestoßen ist, aber die Mehrheit fand es sehr gut. Man sieht daran, wie sehr das Thema nach wie vor spaltet. Was ich aber auch sagen muss, wir haben eine wunderbare und tolle Branche. Die looper haben die Momente des Zusammenseins unglaublich genossen. Wir alle dürfen unsere(n) Beruf(ung) wieder ausüben, und das ist einfach ein unglaublich schönes Gefühl.

Network-break mit Meerblick: auf der Terrasse Grande Real Villa Itália Hotel & Spa

Diesmal fanden die Meetings auf mehrere Räume verteilt statt und ohne die beliebten loop-Plattformen mit den „Tortenecken“. Wie wurden diese Änderungen angenommen? Würden Sie das noch einmal so machen? Unsere Umfrage bei den Teilnehmern nach der loop Portugal hat eindeutig ergeben, dass ganz andere Werte eine Rolle spielen. Besonders gelobt wurden der Teamspirit, die richtige Größe der Veranstaltung, die Qualität der Buyer, die professionelle Organisation, die Qualität der Supplier sowie die familiäre Atmosphäre. Als Unternehmen und Team sind wir natürlich bemüht, uns weiterzuentwickeln, vor allem in Zeiten wie diesen. Die „Tortenecken“ engen uns leider in puncto Flexibilität bei der Wahl der Location für die loop ein. Wie unsere nächsten „Set-ups“ aussehen werden hängt also von den Locations ab. Tatsache ist, die ganze Welt um uns herum verändert sich, damit verbunden auch Strukturen und Prozesse, denen wir uns anpassen möchten. Eines ist für uns aber klar, wir werden diese ideale Größe von maximal 120 Ausstellern nicht hochskalieren. Denn das ist es, was die loop in Wahrheit ausmacht.

Wird es in Zukunft weitere loops außerhalb des DACH-Raums geben? Wir denken schon. Es haben uns bereits mehrfach wunderbare Hoteliers aus tollen Destinationen angesprochen, die gerne die loop hosten möchten. Ein wichtiger Pluspunkt dabei ist auch, dass sehr viele Einkäufer die Gelegenheit genutzt haben, die Pre- und Post-Fam-Trips, die von Spitzenhotels in Portugal organisiert wurden, wahrzunehmen. So lernt man zusätzlich zu den vielen wertvollen internationalen Kontakten auf der loop auch die Destination besser kennen. Unsere Umfrage bei den loopern hat gezeigt, dass sich das alle wünschen. Nur acht Prozent der Einkäufer bevorzugen eine loop, die ausschließlich im DACH-Markt stattfindet. Eine loop außerhalb der DACH-Region müsste doch auch für diverse Tourism Boards sehr attraktiv sein? Mit Portugal haben wir im Vorfeld eine überraschende Erfahrung machen müssen. Das Tourismusamt zeigte keinerlei Interesse an unserem Vorhaben und den damit verbundenen Möglichkeiten für ein Destinationsmarketing. Das war sehr schade und eventuell eine vertane Chance. Sämtliches Destinationsmarketing und die wunderschönen Luxuserlebnisse vor Ort wurden ausschließlich von der Energie und dem Investment der portugiesischen Hotels angetrieben.

Face to face: 120 Austeller netzwerkten mit ebenso vielen Einkäufern.

Worauf waren Sie am meisten stolz bei dieser loop, was war für Sie die größte Herausforderung und was der schönste Moment? Wir haben ja den Wechsel von Berlin nach Portugal erst Mitte Januar dieses Jahres beschlossen und hatten somit gerade mal sechs Wochen Zeit, das Ganze Set-up neu auszurichten. Das war eine unglaubliche Leistung des gesamten Lobster-Teams. Auch ein riesengroßes Dankeschön an unsere Einkäufer und Aussteller, die alle begeistert mitgegangen sind und uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Die größte Herausforderung bei der loop ist die Logistik und Planung. Man muss sich das vorstellen: Ein kleiner Teil unseres Teams ist sogar mit unserem loop-VW-Bus 2.300 Kilometer von Frankfurt nach Cascais gefahren. Eine weitere Herausforderung ist es, die Qualität und unsere sehr hohen Standards zu halten, da man sich schlichtweg in einer anderen Infrastruktur befindet. Die schönsten Momente? … das waren sooo viele … aber der Schönste war wohl, als der erste Tag vorbei war und wir das grandiose Feedback von allen Seiten bekommen haben, mit Portugal die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Pandemiebedingt hat ja das neue loop-Format „loop Reverse“, bei dem Aussteller aus dem DACH-Markt auf internationale Buyer treffen, erst einmal stattgefunden. Wird es das Format in Zukunft wieder geben? Wir hatten unsere erste erfolgreiche loop Reverse im November in Wien nach der loop leisure DACH. Im Jahr 2023 werden wir dieses Format fortsetzen und schon bald Ort und Datum dafür bekanntgeben. Wir haben die loop Reverse auf das Frühjahr 2023 verschoben, da wir das Format komplett losgelöst von den anderen loops organisieren möchten. Wir können damit so viel besser auf die wunderbaren Incoming-Destinationen Österreich, Deutschland und Schweiz eingehen und die DACH Märkte bei internationalen Einkäufern viel besser „showcasen“. Somit werden wir dem Format eine komplett eigene Energie, Kraft und Bedeutsamkeit verleihen.

Geschüttelt, nicht gerührt: Auftakt zur grandiosen Casino-Royale-Party vor geparkten Vintage Cars

Die Teilnehmer der loop Spring waren sehr optimistisch, was das Reisegeschäft für Frühjahr/Sommer betrifft. Im November findet die loop Autumn in Tirol statt: Kann man jetzt schon Prognosen für Herbst/Winter wagen? Ich bin optimistisch, aber es ist natürlich schwer zu prognostizieren. Wir haben es ja momentan mit einer sehr instabilen Welt zu tun. Aber genau deshalb sollten sich unsere wunderbaren Reisebüros immer weiter und besser auf das Luxussegment spezialisieren! Denn diese Kunden haben schlichtweg die finanzielle Reichweite und Flexibilität zu reisen, auch während Krisenzeiten! Neben der loop leisure hat ja auch eine loop MICE in Cascais stattgefunden. Wie läuft das MICE-Geschäft zurzeit? Gibt es hier auch viel Optimismus? Ja, definitiv spürt man das hier auch. Es herrschte eine sehr positive Stimmung, und es sind sogar vor Ort schon einige Anfragen über den Tisch gegangen. Natürlich hängt es von der Branche ab, aber auch hier möchten die Unternehmen wieder zügig weg von digitalen, hin zu persönlichen Meetings!

Die Reisebranche hat in den letzten beiden Jahren wahre Berg- und Talfahrten erlebt und musste sich auf ein völlig verändertes Reiseverhalten der Kunden umstellen. Welche dieser Veränderungen werden langfristig erhalten bleiben und welche innovativen Aktionen der Branche haben Ihnen am meisten imponiert? Auf der loop war zu sehen und zu spüren, wie sehr die Touristiker ihren Job, das Reisen und ihre Kunden lieben und wie leidenschaftlich sie das tun. Das zeigt uns, dass es sich gelohnt hat, durchzuhalten. Mein voller Respekt gilt all den Hotels und Dienstleistern, die einfach unglaubliches geleistet haben (finanziell, aber auch menschlich), um sich dieser neuen Situation anzupassen. Ich fände es auch für unsere Travel Designers wichtig, hinter die Kulissen zu schauen und zu sehen, mit welchen Herausforderungen die Hoteliers zu kämpfen hatten und haben. Der gleiche Respekt gilt den Reisebüros und Tour Operators. Sie haben es unter anderem auch jetzt noch mit einem unglaublich kurzfristigen Reiseverhalten zu tun, und eine Buchungsanfrage mehrmals in die Hand nehmen zu müssen, ist Standard. Es braucht eine große Resilienz, hier nicht aufzugeben. Hinzu kommt leider auch noch der Fachkräftemangel. Infos und Anmeldung zu allen loop Events unter www.loop-luxury-fair.com/de/event-calendar

Interview: Simone Dressler