GOOD TO KNOW: Branchen-Talk mit Gudrun Arnemann und Nico Bleichrodt/Seabourn

„Keine Kompromisse beim Luxus.“

„Seabourn möchte keine Kompromisse beim Luxus eingehen.“

Im Talk mit CC VIP sprechen Nico Bleichrodt, Vice President International Sales von Holland America Line und Kontinental-Europa Managing Director von Seabourn, und Gudrun Arnemann, Business Development Manager Deutschland, Österreich und Schweiz für Seabourn, über den Einstieg der Reederei in den Expeditionsmarkt, die Highlights auf den neuen Schiffen Venture und Pursuit und die Cruise-Trends von morgen.

Mit der neuen Seabourn Venture nimmt Seabourn erst relativ spät Kurs auf den boomenden Expeditionsmarkt. Warum haben Sie sich damit so viel Zeit gelassen, und was unterscheidet die Venture – sowie 2023 dann auch das Schwesterschiff – von den Mitbewerbern? Nico Bleichrodt: Wir waren bisher zwar nicht mit einem echten Expeditionsschiff unterwegs, hatten aber mit der Seabourn Quest ein Schiff in der Ozeanflotte, das speziell für die Antarktis gebaut wurde. Seit 2013 haben wir sie vor allem im Winter auf speziellen Routen in dieser Region eingesetzt und Expeditionserlebnisse angeboten. Dazu zählten expeditionsähnliche Landausflüge mit Experten, und wir hatten eigene Zodiacs und Kajaks an Bord. Mit der Quest konnten wir damit Erfahrung für Expeditionsreisen sammeln. Wir haben mit unseren Gästen gesprochen, uns die Mitbewerber angeschaut und dann ein spezielles Expeditionsprodukt entwickelt, das jetzt im Juli mit der Seabourn Venture auf den Markt kommt; nächstes Jahr folgt das Schwesterschiff, die Seabourn Pursuit. Beide Schiffe sind kleiner als die Schiffe der Ozeanflotte, aber es sind typische Seabourn-Schiffe. Das heißt, wir haben zwar ein Expeditionsprodukt, aber an Bord genießen die Gäste die hohe Qualität und den Service, den sie auf allen Seabourn-Schiffen vorfinden. Wir haben zwei U-Boote an Bord der Venture und der Pursuit für jeweils sechs Gäste und natürlich auch 24 Zodiacs. Über High-Tech-Kameras können die anderen Mitreisenden das Leben unter Wasser in der Bow Lounge mitverfolgen. Außerdem nutzen wir Drohnen, die es den Gästen erlauben, die Außenwelt von oben über Bildschirme zu entdecken. Mit den beiden Expeditionsschiffen fügen wir außerdem entsprechende Reiseziele hinzu, wie die Arktis im Sommer, die Antarktis im Winter und den Amazonas.

Gudrun Arnemann: Seabourn möchte keine Kompromisse beim Luxus eingehen. Das heißt, alle Annehmlichkeiten, die wir auf der Hochseeflotte haben, werden wir auch den Gästen auf der Seabourn Venture anbieten. Das beginnt schon beim Platzangebot. Obwohl das Schiff nur halb so groß ist wie diejenigen der Hochseeflotte, wollen wir nicht darauf verzichten, den Gästen die gleiche gastronomische Auswahl und draußen wie drinnen viel Platz anzubieten, etwa große Suiten ab 33 Quadratmetern mit eigenem Balkon. Wir wollen, dass unsere Gäste die Natur hautnah erleben und bringen diese mit den Drohnen, den Submarines und durch die vielen Glasflächen nach drinnen. So haben die Gäste immer das Gefühl, sehr stark mit der Außenwelt verbunden zu sein. Zum Luxus gehört auch das All-inclusive-Konzept an Bord mit Champagner und Kaviar zur Begrüßung. Wir haben aber auch geschaut, was anderen Expeditionsschiffen fehlt und diese Dinge eingeführt. Dazu zählen beispielsweise die Schließfächer gleich an der Gangway. Wenn die Gäste von einem Landausflug zurück an Bord kommen, werden dort die Ausrüstung und Stiefel für den nächsten Ausflug verwahrt und gewärmt. Außerdem haben wir beheizbare Kleiderschränke in den Suiten zum Trocknen der Handschuhe und Jacken. Zusätzlich können die Gäste über eine bequeme Gangway direkt auf das Packeis laufen.

„Die Seabourn Quest wurde speziell für die Antarktis gebaut.”
„In den beiden U-Booten auf den neuen Expeditionsschiffen können die Gäste die Unterwasserwelt in 300 Metern Tiefe erleben. Das ist nur bei Seabourn möglich.“
„Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit unseren Schiffen die meisten der kleinen, exklusiven Häfen anfahren können.“

Wie definieren Sie die Zielgruppe der Venture? Sind es Umsteiger, die von den klassischen Seabourn-Schiffen kommen werden? Oder setzten Sie eher auf Gäste, die man vorher noch nicht auf einem Cruiseship angetroffen hat? Nico Bleichrodt: Zunächst einmal denke ich, dass wir eine Menge treuer Seabourn-Gäste haben, die definitiv gerne auf einem Expeditionsschiff schwer erreichbare Gegenden erleben wollen, weil sie bisher noch nie dort waren. Das ist eine der wichtigsten Zielgruppen. Natürlich möchten wir auch Gäste anderer Luxuskreuzfahrtgesellschaften ansprechen, denn wir haben ein ganz besonderes und exklusives Expeditionsprodukt. Und drittens zielen wir auf neue Kreuzfahrtgäste ab, die die Welt mit einem Expeditionsschiff und nicht mit einem Kreuzfahrtschiff erkunden möchte, aber auch den hochwertigen Service verlangen, den wir an Bord bieten. Zusätzlich sind unsere Expeditionsreisen sicher auch interessant für ein großes Publikum, das zum Beispiel gern auf Safaris geht oder Rundreisen und Studienreisen macht. Diese Gäste haben vielleicht noch nie eine Kreuzfahrt gemacht, sind aber abenteuerlustig und naturverbunden, erwarten aber auch einen hohen Servicestandard.

Wenn man sich den Seabourn-Cruisekalender für 2022 und 2023 anschaut, fällt die Vielzahl an Mittelmeerreisen auf – und das nicht nur im Sommer. Außerdem ist es in diesem viel befahrenen Zielgebiet erneut gelungen, neue, bislang eher unbekannte Häfen zu finden. Reagieren Sie damit auch auf den „Overtourism“, der in Städten wie Dubrovnik, Barcelona oder Venedig ja tatsächlich ein Problem darstellt? Gudrun Arnemann: Seabourn war es schon immer wichtig, seinen Gästen ganz außergewöhnliche Destinationen zu bieten. Aber das Mittelmeer ist und bleibt einfach ein sehr beliebtes Reiseziel und die europäischen Gäste schätzen die kurze, einfache Anreise dorthin, sodass sie auch gerne mal eine sieben-Nächte-Kreuzfahrt einschieben können. Wir starten die Schiffsreisen aus den Metropolen, weil wir dort beste Anbindung an die Flughäfen haben. Das Mittelmeer mit Seabourn ist das Richtige für Liebhaber kleiner, feiner Boutiqueschiffe. Und diese liegen oft direkt neben Privatyachten in kleinen Häfen, wo die großen Schiffe gar nicht hinkommen. Das heißt, diese Häfen sind nur den Seabourn-Gästen vorbehalten. Ich werde demnächst selbst eine Reise an Bord der Sojourn machen. Wir steuern Häfen an, von denen ich teilweise noch nie gehört habe, und ich freue mich wirklich darauf, fernab der Massen durch enge Gässchen zu schlendern. Das Landerlebnis so exklusiv zu genießen, ist eben auch ein Stück Luxus. Nico Bleichrodt: Unsere Schiffe sind überall auf der Welt im Einsatz, diesen Sommer endlich auch wieder in Alaska und im Herbst/Winter auch wieder in der arabischen Welt, in Asien und im Pazifik. Aber natürlich gibt es im Sommer eine große Nachfrage nach dem Mittelmeer. Die Gäste wünschen hier kleinere Schiffe, und wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit unseren Schiffen die meisten der kleinen, exklusiven Häfen anfahren können. Außerdem ist das Mittelmeer groß, eines unserer Schiffe ist im östlichen und eines im westlichen Teil unterwegs. Die Gäste können die Reisen auch gut miteinander kombinieren und haben dadurch eine noch größere Auswahl.

„Wir haben eine Menge treuer Seabourn-Gäste, die auf einem Expeditionsschiff schwer erreichbare Gegenden erleben wollen.”
„Der Trend geht auf jeden Fall zu kleineren Schiffen und exklusiven Reisezielen.“
„Unser Publikum ist in einer Lebensphase der Unabhängigkeit angekommen.”

Welche großen Cruise-Trends sehen Sie für die kommenden Jahre – bezüglich Destinationen, aber auch, wenn es um die Reisegewohnheiten geht? Werden wir immer länger, zu immer weiter entfernten Zielen unterwegs sein – Weltreisen und Grand Voyages sind derzeit ja extrem nachgefragt? Wir das Publikum jünger, älter oder diverser? Nico Bleichrodt: Der Trend geht auf jeden Fall zu kleineren Schiffen und exklusiven Reisezielen. Luxus an Bord wird vorausgesetzt, es geht mehr um die Erfahrung, die Destination und den Lerneffekt, die wir der Kreuzfahrt hinzufügen können. Unsere Gäste sind wissbegierig und möchten über die Destinationen etwas erfahren und aufgeklärt werden. Diesen Wünschen können wir entsprechen – mit immer wieder neuen Routen wie zum Beispiel die Nord-Ost- und die Nord-West-Passage 2023 und 2024. Und natürlich mit unseren neuen Expeditionskreuzfahrten. Gudrun Arnemann: Man kann auch sagen, unser Publikum ist in einer Lebensphase der Unabhängigkeit angekommen. Die Kinder sind aus dem Haus, sie sind finanziell gutaufgestellt und bereit, sich etwas zu gönnen. Unsere Kunden suchen neue Erlebnisse in fernen Destinationen und daher stehen auch die Weltreisen oder die Kombination von einer, zwei oder drei Reisen ganz hoch im Kurs. Wenn eine Weltreise zur Buchung aufgeht, sollte man sich schnell entscheiden, um sich seine Wunschsuite zu sichern. Prinzipiell ist eine Reise mit Seabourn keine Frage des Alters oder des Geschlechts. Egal, ob unsere Kunden 30 oder 70 Jahre alt sind, sie teilen einfach die Freude am Abenteuer und am Unterwegssein, sie sind qualitätsbewusst und schätzen unseren Service auf Augenhöhe.

Hat sich die Kreuzfahrtbranche in den letzten Jahren verändert – allgemein und auch im Ultra-Luxury-Segment? Gudrun Arnemann: Privatsphäre wird immer wichtiger. Und auch schon vor Covid haben wir festgestellt, dass die Gäste immer individuellere Wünsche haben. Deshalb inkludieren wir die Ausflüge nicht in unseren Reisepreis. Mit den Ventures by Seabourn bieten wir zwar Ausflugsvorschläge mit Experten an. Wer mag, kann aber auch ganz individuell von Bord gehen. Wir sind in der komfortablen Lage, mit unseren Schiffen direkt in den Städten anzulegen, und können jederzeit einen Privatguide organisieren. Für den maximalen Reisekomfort bieten wir auch die Anreise im Privat-Jet. Auch die Größe der Suiten und ganz generell das Platzangebot spielen eine große Rolle – die Gäste wollen sich nicht „downsizen“ von dem, was sie zuhause gewohnt sind. Da sind wir mit unseren großzügigen Suiten und dem generell großen Platzangebot pro Passagier führend.

„Unsere Gäste sind wissbegierig und möchten über die Destinationen etwas erfahren und aufgeklärt werden.“
„Wir haben zwar ein Expeditionsprodukt, aber an Bord genießen die Gäste die hohe Qualität und den Service, den sie auf allen Seabourn-Schiffen vorfinden.“
„Das Publikum, das wir an Bord haben, ist abenteuerlustig und kulturinteressiert.”

Stichwort Kulinarik: Was sind hier die großen Mega-Trends, die auf den Seabourn-Schiffen bereits umgesetzt werden? Nico Bleichrodt: Seabourn ist bekannt für das große Angebot an Bord in insgesamt acht Restaurants. Wir pflegen eine besondere Zusammenarbeit mit dem Sternekoch Thomas Keller im Restaurant The Grill. Wir haben auf unserer Ozeanflotte ein neues Konzept eingeführt, das sich Earth + Ocean nennt und saisonale Gerichte der jeweiligen Region anbietet. Besonders beliebt auf unseren neueren Schiffen, Seabourn Ovation und Encore, ist das frische Sushi im gleichnamigen Restaurant. Gudrun Arnemann: Ganzheitliches Wohlbefinden ist ein Mega-Trend, bei dem Wellness und Kulinarik zusammenfließen. Unsere Personal Trainer achten bei unseren Mindful-Living-Programmen deshalb auch auf ein passendes Ernährungsangebot. Dabei werden frische saisonale, lokale Produkte stark eingebunden. Außerdem achten wir sehr bewusst darauf, Speisereste zu reduzieren. Mit Ventures by Seabourn und den „Shopping with the Chef“-Touren setzten Sie auch bei den Landausflügen neue und innovative Akzente. Wird das Landerlebnis grundsätzlich immer wichtiger oder wollen Sie damit vor allem Alternativen zu den klassischen Exkursionen aufzeigen? Gudrun Arnemann: Seabourn versucht immer, die Gäste noch stärker mit der Destination zu verbinden. Um das zu ermöglichen, hat Seabourn als einziger Kreuzfahrtanbieter im Rahmen unseres Seabourn -Conversations -Programms eigene Experten auch an Bord der Hochseeflotte. Sie begleiten die Gäste auf Ausflüge, halten Vorträge und stehen immer auch für persönliche Gespräche zur Verfügung. Die Gäste möchten lernen und immer mehr auch hinter die Kulissen schauen.

Nico Bleichrodt: Das Publikum, das wir an Bord haben, ist abenteuerlustig und kulturinteressiert, und wir bieten beides: Abenteuer mit unseren Zodiacs und Kajaks auf der einen Seite, exklusive Ausflüge wie „Shopping with the Chef“ oder ein Privatkonzert in Ephesus auf der anderen Seite. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Erfahrungen, die wir hinzufügen können. Aktuellstes Beispiel sind die beiden U-Boote auf den neuen Expeditionsschiffen, in denen die Gäste die Unterwasserwelt in 300 Metern Tiefe erleben können. Das ist nur bei Seabourn möglich. Wer einmal die Eisberge von unten gesehen hat, wird das sein Leben lang nicht vergessen.

„Seabourn ist bekannt für das große Angebot an Bord in insgesamt acht Restaurants.”
„Die Gäste wollen sich nicht „downsizen“ von dem, was sie zuhause gewohnt sind. Da sind wir mit unseren großzügigen Suiten und dem generell großen Platzangebot pro Passagier führend.“
„Ich hatte das große Glück, die ergreifende Landschaft aus Schnee und Eis zu erleben.”

Zum Schluss noch etwas Persönliches: Welche Hafeneinfahrt war für Sie bisher die schönste? Und welche steht auf Ihrer Bucket List ganz weit oben? Nico Bleichrodt: Die Antarktis und gleich danach der Amazonas. Mich reizt nicht ein bestimmter Hafen, sondern die Destination selbst. Ich war schon einige Male in Alaska, und ich glaube, die Antarktis wird für mich eine ganz besondere Erfahrung. Angeblich sind die Gäste auf solchen Reisen mehr miteinander verbunden als auf anderen Kreuzfahrten, weil sie diese unglaubliche Antarktis-Erfahrung miteinander teilen. Gudrun Arnemann: Ich hatte das große Glück, die ergreifende Landschaft aus Schnee und Eis zu erleben, und es war die Reise meines Lebens. Eine Expeditionsreise macht etwas mit einem. Die Menschen bekommen plötzlich ein ganz anderes Bewusstsein, wie zerbrechlich die Erde ist. Ich habe Menschen erlebt, die an der Reling standen und vor lauter Emotionen in Tränen ausgebrochen sind. Das kann man nicht toppen.

www.seabourn.com

Interview: Susanne Freitag

„Mich reizt nicht ein bestimmter Hafen, sondern die Destination selbst.”

Nico Bleichrodt (58) ist Vice President International Sales von Holland America Line und Kontinental-Europa Managing Director von Seabourn. Seit 2019 leitet er den gesamten internationalen Vertrieb von Holland America Line außerhalb Nordamerikas. Er hat den Vertrieb in führenden Ländern in Europa eröffnet und zahlreiche Partnerschaften aufgebaut. 2010 wurde er von der niederländischen Tourismusindustrie zum „Travel Man of the Year“ gekürt. Vor seiner Karriere bei HAL, die 2008 begann, verantwortete er die Geschäftsführung von Club Med in den Niederlanden.

Gudrun Arnemann (54) ist seit Februar Business Development Manager Deutschland, Österreich und Schweiz für Seabourn. Unter anderem plant und führt sie Counter-Schulungen und Informationsreisen durch. Zu den Stationen der leidenschaftlichen Tourismusexpertin und erfolgreichen Tourismusfachwirtin zählen RCL Cruises, Silversea Cruises und die Walt Disney Company.