GOOD TO KNOW: Branchentalk Philip Dickinson

„Katar im Kommen“

Eine authentische Oase: Philip Dickinson, Vizepräsident für die Entwicklung globaler internationaler Märkte des Qatar National Tourism Council, im Interview mit CC VIP.

Fairmont/Raffles-Hotel in Lusail City

Sie wurden vor etwa einem Jahr Vizepräsident für die Entwicklung globaler internationaler Märkte des Qatar National Tourism Council. Sie kennen die Golfregion bereits von Ihren vorherigen Positionen sehr gut. Warum würden Sie Reisenden empfehlen, Katar zu besuchen? Katar ist das, was ich als eine viel authentischere Art der arabischen Erfahrung beschreiben würde. Wir sind unseren Wurzeln treu geblieben, haben fabelhafte Museen und tolle Souqs. Außerdem bieten wir fantastische Wüstenerlebnisse und viele andere Outdoor-Aktivitäten wie Tauchen, Kanufahrten durch die Al-Thakira-Mangrovenwälder, Paragliding oder Kitesurfen. Wir bieten also eine spannende Mischung aus verschiedenen Aktivitäten und kulturellen Angeboten. Und dann gibt es auch die moderne Seite von Katar. Wir haben eine große Anzahl neuer Fünf-Sterne-Resorts, in denen unsere Gäste einfach einen entspannten Strandurlaub genießen können. Wir versuchen dabei in keiner Weise mit Dubai zu konkurrieren. Denn wir bieten ein eher traditionelles arabisches Erlebnis ohne den Rummel von Dubai, aber dafür mit einer authentischeren Erfahrung. Genauso möchten wir uns auch positionieren. Eine ganze Welt für sich an nur einem Ort.

Wie hoch ist der Anteil der deutschsprachigen Reisenden in Katar? Ich glaube, wir hatten etwa sechzigtausend Ankünfte aus Deutschland im Jahr 2019. Ich spreche hier von echten Touristen, nicht von denjenigen, die geschäftlich hier waren. Das war schon eine gute Zahl. Was noch wichtiger ist, diese Zahlen sind jedes Jahr exponentiell gewachsen. Wir hatten sehr enge Partnerschaften, zum Beispiel mit der Dertour, FTI und einigen der höherwertigen Nischenreiseveranstaltern in Deutschland, die uns dabei unterstützten, dass die Zahlen jedes Jahr exponentiell wuchsen. Auch bei den Kreuzfahrten waren die Zahlen sehr gut. Viele deutsche Kreuzfahrtschiffe legten in Katar an, wie Aida und TUI Mein Schiff oder auch die MSC Costa. Insgesamt hatten wir 190.000 Passagiere, die aus aller Welt mit Kreuzfahrtschiffen ankamen.

Wie relevant ist das Kreuzfahrtgeschäft für Katar? Eines unserer wichtigsten Ziele für die Zukunft ist es, mehr Heimathäfen zu schaffen. Wir versuchen also auch ans Ein- und Ausschiffungsgeschäft zu kommen. Deshalb werden wir im Juni 2022 ein brandneues Kreuzfahrtterminal eröffnen. Es wird also leider diese Wintersaison verpassen, aber zur Weltmeisterschaft sollte es dann fertiggestellt sein. Katar hat ja mit der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft einen kompletten Wandel durchgemacht, und die Infrastruktur wurde massiv ausgebaut. Wir haben ein unterirdisches Metro-System entwickelt, sodass sich jetzt Bewohner und Besucher von Katar ganz einfach unterhalb der Stadt fortbewegen können. Wir haben mit Lusail City und der künstlichen Insel „The Pearl“ ganz neue Stadtviertel entwickelt. Außerdem wurden circa 100 neue Hotels gebaut. Die Anzahl der Hotelzimmer wurde dabei mehr als verdoppelt. Der kommende FIFA World Cup wirkte geradezu wie ein Katalysator für zusätzliche Infrastruktur: Straßensysteme, Einkaufszentren, Attraktionen und Hotels wurden ausgebaut. Unser Ziel ist es, die Tourismuszahlen bis 2030 zu verdreifachen. Und wir kommen dabei von einer vergleichsweise niedrigen Basis. Im Jahr 2019 etwa konnten wir 2,1 Millionen Besucher verzeichnen. Ab März 2020 sahen wir natürlich einen großen Rückgang der Ankünfte, weil unsere Grenzen pandemiebedingt geschlossen wurden.

Kann man jetzt nach Katar einreisen? Seit Kurzem sind unsere Grenzen für Passagiere, die doppelt geimpft sind, geöffnet. Für alle Geimpften wird es auch keine Quarantäneverordnungen mehr geben. Kinder können, solange die Eltern geimpft sind, bis zum Alter von elf Jahren auch ohne Impfnachweis nach Katar kommen. Aber auch ungeimpfte Passagiere können mit einem negativen Antigen- oder PCR-Test einreisen, wenn ihr Heimatland auf der offiziellen grünen Liste steht. Das ist für Deutschland und Österreich der Fall. Einreisende aus Ländern, die auf der gelben oder roten Liste stehen, unterliegen verschiedenen Quarantäneverordnungen.

Es scheint mir, dass durch die neuen Attraktionen, die das Land bietet, Doha zum neuen Dubai werden will. Worin liegt denn der touristische Unterschied zwischen Doha und Dubai? Ich denke, es ist die kulturelle Seite der Dinge. Wir sind hier in Katar noch immer extrem gut mit der lokalen Gemeinschaft verbunden. Die Integration zwischen den Einheimischen, den Einwohnern und den Touristen funktioniert sehr gut. Da ich vorher zehn Jahre lang in Dubai zuhause war, kenne ich das Emirat außergewöhnlich gut. Aber ich fühlte ich mich dort nicht besonders mit dem Nahen Osten verbunden. Es gab die modernen Hotels, die Attraktionen, die Sonne. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es irgendeine Möglichkeit gab, in die lokale Gemeinschaft einzutauchen oder sich ein wenig in die kulturelle oder die historische Welt des Nahen Ostens zu integrieren. In Doha gibt es alle genannten Attraktionen in viel kleinerem Maßstab auch, aber auch eine authentische Seite. Wir haben hier zwei oder drei riesige Souqs, und zwar echte, funktionierende Souqs mit viel arabischem Flair. Dann gibt es auch die beiden fabelhaften Museen, das Nationalmuseum und das Museum für islamische Kunst, das Touristen die Geschichte der arabischen Kultur näherbringt. Nicht zu vergessen, das UNESCO-Weltkulturerbe, die archäologische Stätte von Al Zubarah mit ihrer Festung, eine Perlenfischer- und Handelsstadt aus dem späten 18. Jahrhundert. Ich denke, Katar ist definitiv vielseitiger als Dubai.

Viele internationale Passagiere nutzen Qatar Airways, um zu attraktiven Zielen in Afrika und Asien weiterzufliegen. Glauben Sie, dass Katar das Potenzial hat, ein begehrtes Stopover-Ziel oder sogar eine Topdestination für längere Strandurlaube zu werden? Ja, definitiv, das ist unser Ziel. Wir konzentrieren uns genau auf diese beiden Sektoren. Also wie Sie sagten, auf den Strandurlaub und auf längere Aufenthalte für Gäste, die kommen, um sich zu entspannen und zu erholen. Aber wir sind auch sehr am Stopover-Segment interessiert. Und Sie werden sehen, dass Qatar Airways damit beginnen wird, ein sehr attraktives Stopover-Programm auf qatarairways.com zu launchen, genauso wie auf ihrer Website für Urlauber qatarairwaysholidays.com. Und diese Pakete werden auch für Veranstalter und Reiseverkäufer verfügbar gemacht.

Wie viele Passagiere reisten vor der Pandemie durch Katar? Vor der Pandemie war Katar ein riesiger Transitknotenpunkt. 39 Millionen Passagiere reisten im Jahr 2019 durch Katar. Wir versuchen also Gäste, die einen längeren Winterurlaub planen, aber auch diejenigen, die an einem Zwischenstopp interessiert sind, zu erreichen. Also zusätzlich zu Sonne und Sand auch neue Zielgruppen wie Honeymooner, Kultur-Enthusiasten und Aktivurlauber für Katar zu begeistern.

ZULAL Wellness Resort

Wenn ich nur 48 Stunden Zeit in Katar hätte, was würden Sie mir empfehlen zu tun? Ich würde Ihnen empfehlen, den Souk Waqif zu besuchen, der sehr zentral direkt im Stadtzentrum Dohas liegt. Hier gibt es einfach alles: Sie können Souvenirs, Gewürze, Schmuck und Kunst kaufen. Und dann gibt es hier viele verschiedene arabische Restaurants im Streetfoodstyle: persische, katarische, iranische, libanesische, einfach alle Arten nahöstlicher Geschmacksrichtungen, die Sie probieren können. Hier bekommt man einen guten Eindruck von der Kultur des Nahen Ostens, denn es gibt hier auch einige der traditionellen Korbflechtereien, Kunsthandwerk, Lebensmittel, Parfüms und Gewürze. Wenn Zeit bleibt, würde ich eines der Museen besuchen, ob es nun das Nationalmuseum oder das Museum für Islamische Kunst ist, denn beide sind auch architektonisch großartig und wurden von den weltberühmten Architekten I.M. Pei und Jean Nouvel designt. Wenn Ihnen noch Zeit bleibt, dann besuchen Sie unbedingt auch „The Pearl“, die nur 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernte künstlich errichtete Insel. Hier gibt es einen riesigen Yachthafen, wo man viele Möglichkeiten zum Essen im Freien findet. Sie können sich die Mega-Yachten ansehen, herumspazieren und das luxuriöse Ambiente genießen. Ein schöner Ort, den man unbedingt besuchen sollte.

Katar hat eine große Anzahl von Luxushotels, die von internationalen Hotelgruppen entwickelt wurden. Und es sind noch mehr in der Pipeline. Welches sind Ihrer Meinung nach die spannendsten Hotelprojekte? Das Wahrscheinlich herausragendste Projekt ist eines, das noch nicht eröffnet ist: ein neues Fairmont/Raffles-Hotel in Lusail City. Es erinnert in seiner Architektur an zwei sich kreuzende Krummsäbel. In einen der „Säbel“ wird das Raffles einziehen, in den anderen das Fairmont Hotel. Ein absolut ikonografisches Design, das ähnlich wie das Burj Al Arab oder Burj Khalifa in Dubai, zu einem der Wahrzeichen-Bauwerke Katars werden wird. Ganz neu ist das Hilton Salwa Beach Resort & Villas, ein riesiges Resort an einem 3,5 Kilometer langen Strand. Es bietet über 100 private Villen, über 200 Zimmer und Suiten, über 20 Bars und Restaurants. Außerdem einen eigenen kleinen Yachthafen, einen Wasserpark und einen riesigen Spa und Sportclub. Es ist wirklich imposant, ein in sich abgeschlossener Ort, an dem es einfach alles gibt. Und dann gibt es noch ein weiteres Projekt, das, wie ich glaube, einzigartig für Katar ist: das ZULAL Wellness Resort, an der Küste im äußersten Norden Katars gelegen. Es befindet sich gerade in der Soft-Opening-Phase. Das Health Resort wurde vom Team des renommierten Chiva Som Health Resorts aus Thailand entwickelt und wird sicher das Interesse in aller Welt wecken. Auf die vollständige Eröffnung bin ich schon sehr gespannt. Ein weiteres tolles Projekt, das wir nächstes Jahr eröffnen werden, ist ein rustikales Kitesurfing-Resort am äußerst beliebten Fuwairit Beach. Ein Resort das besonders für leidenschaftliche Kitesurfer konzipiert ist: also eine Art cooles, trendiges Surfresort, an einem der besten Kitesurfstrände im Nahen Osten. An dieser Stelle muss ich aber auch erwähnen, dass wir auch einige sehr beliebte bestehende Hotelobjekte haben, wie zum Beispiel das Four Seasons und das Ritz Carlton Doha, die direkt am Strand liegen. Oder die Tivoli-Boutiquehotels im Souq Waqif: Acht kleine, luxuriöse und hochwertige Suitenhotels, die sehr charaktervoll sind und direkt im Herzen der Stadt liegen.

Als Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr sind schon jetzt alle Augen auf Katar gerichtet. Was sind die aktuellen Projekte des Landes, um mehr Besucher anzulocken? Wir werden und müssen einige Sensibilisierungskampagnen in den Schlüsselmärkten starten, also mit dem Endverbraucher in Kontakt treten, sei es durch digitale oder soziale Medien, PR und einer Mischung aus bezahlten und eigenen Maßnahmen. Wir haben jetzt auch einen neuen Namen, und nennen uns jetzt QT (Qatar Tourism). Unsere Strategie besteht darin, den Bekanntheitsgrad dessen, was wir derzeit in Katar anbieten, zu erhöhen. Wir haben viel geforscht und über 5000 Menschen in unseren wichtigsten Quellmärkten befragt. Nicht Menschen aus der Reisebranche, sondern tatsächlich Endverbraucher. Hier gab es eine Menge Mythen, mit denen wir aufräumen mussten. QT konzentriert sich jetzt auf die Zeit vor und nach der Weltmeisterschaft. Es ist enorm wichtig, den Bekanntheitsgrad des Landes zu steigern und den Gästen darzulegen, was sie erwarten können, wenn sie nach Katar kommen.

Was können die Gäste denn erwarten? Werden sich Urlauber aus Europa in Katar wohl fühlen? Aber ja. Es ist natürlich möglich, in den Tourismusgebieten Alkohol trinken. Und ja, man kann erwarten, dass die englische Sprache im Land weit verbreitet ist. Doha wird in Numbeo`s Kriminalitätsindex als zweitsicherste Stadt der Welt in 2021 geführt. Es ist also auch ein Mythos, dass das Land nicht sicher ist. Außerdem wichtig zu wissen: Katar bietet eine große Bandbreite an Unterkünften, von budgetorientiert bis hin zu bis zu ultraluxuriös. Tatsächlich ist das Preis-Leistungs-Verhältnis im internationalen Vergleich bei den meisten unserer Anbieter extrem gut.

Gibt es bereits Pläne für Projekte nach dem großen Fußballturnier? Ich denke, dass wir versuchen werden, einige weitere Veranstaltungen und Festivals im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft und auch danach hinzuzufügen. Ein paar mehr Festivals oder ein paar mehr Events mit internationaler Anziehungskraft. Wir werden also Veranstaltungen im Vorfeld der Weltmeisterschaft haben, wie zum Beispiel den Arab Cup, der im Dezember dieses Jahres stattfindet. Rund um diesen Cup wird es auch weitere Veranstaltungen geben, weil der Dezember auch für internationale Touristen eine ideale Zeit ist, um Katar zu besuchen. Und nach der Weltmeisterschaft, werden wir diesen Schwung mit weiteren Veranstaltungen beibehalten. Wir haben ja schon eine ganze Menge davon. Zum Beispiel den Qatar Masters Golf, das ATP-Tennis-Turnier, wir haben eine Menge Pferdeevents, weil sie in Katar sehr viel Wert auf ihre Pferde legen. In Zukunft werden wir wahrscheinlich auch den Ironman-Wettbewerb ausrichten.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an Katar? Was ist Ihr Lieblingsort? Ich bin ein großer Fan des Golfsports und deswegen fallen mir zuerst die beiden fantastischen Golfplätze in Doha ein. Wir haben zwei 18-Loch-Meisterschaftsgolfplätze, den Doha Golf Club und den Education City Golf Club. Beide ganz wunderbar. Außerdem ist die Küche in Katar eine große Sache für mich. Wir sind also mit einer immensen Auswahl an kulinarischen Möglichkeiten gesegnet, von aufregendem Streetfood bis hin zu sehr gehobener Küche. Also ich genieße die gastronomischen Erlebnisse Dohas sehr.

Interview: Simone Dressler