Im Test:

Grand Hotel Villa Serbelloni

GOOD TO GO: Das perfekte Hotel am Comer See für Genussreisende mit Budget und Niveau und Familien auf der Suche nach dem „Urlaub wie damals“.

Diese Hotelikone im fast unwirklich schönen Bellagio lässt nur zwei Betrachtungsweisen zu: Entweder man findet sie auf wunderbare Weise altmodisch oder schrecklich gestrig. Ich neige zu Variante eins, wobei: Das verschnarchte Tanz-Orchester, das gefühlt schon seit dem Umbau der einstigen Privatvilla zum Grand Hotel 1873 musiziert, sollte man allmählich in die wohlverdiente Pension schicken. Und scusa, auch das Flair der Bar kurbelt die Endorphin-Ausschüttung nicht gerade an.

Davon abgesehen: Große Oper!!! Logieren wie in einem Kunstgeschichtemuseum, lustwandeln auf über 100 Jahre alten persischen und kaukasischen Teppichen, flankiert von prächtigen Marmorsäulen und geblendet von Murano-Lustern, Deckenfresken, Goldrahmen. Und draußen warten die drei großen Ps: Pool, Palmen, Park. Schon Kaiser, Königinnen, Barone, Grafen und so unterschiedliche Zelebritäten wie Churchill, John F. Kennedy, „Star Wars“-Mastermind George Lucas, Romy Schneider oder Al Pacino ließen sich von dieser hochdosierten Opulenz verzaubern.

Früher quartierten sich auch die Pirellis (für drei Monate!) ein, obwohl sie nur 30 Kilometer entfernt residieren. Der Schweizer Eigentümer Gianfranco Bucher, der mit seiner Familie selbst im Hotel wohnt: „Wir hatten immer Gäste mit Geld und Kultur“. Auf diese wartet mit dem Prunk-Festsaal „Salone Reale“ auch eine echte Mehrzweckwaffe: abends Hochzeitstafel, nur wenige Stunden später Showbühne für das Frühstücksbuffet.

Im „Mistral“ (ein Michelin-Stern seit 2005) tischt Ettore Bocchia aus Parma seine Version von Molekularküche auf, im „La Goletta“ munden eine Forelle frisch aus dem See und marinierte Feigen mit Passionsfruchtcreme als Dessert. Die Projekte von Bucher, 64, für die nächsten Jahre: „Kleine Privatvillen und eine Handvoll neuer Terrassen“. Die Location selbst – mit Traumaussicht auf den See und bis auf 1.700 Meter hochschießende Berge – bleibt unverrückbar überwältigend. Text: Andreas Jaros

Lage | An der Spitze des Gebirgsvorsprungs von Bellagio Kategorie | 5* Architektur | Primär neoklassizistisch, bedingt durch Zubauten auch andere Richtungen Zimmer & Suiten | Insgesamt 94; 4 Senior Suites (legt man sie zusammen, entsteht auf 340 m2 die Imperial Suite, die größte des Comer Sees), 18 Executive und Junior Suites, 18 Superior- und 54 Luxuszimmer. Dazu kommen noch 13 Residence-Apartments mit Küche. CC VIP-Tipp | Die Churchill-Suite (60 m2) mit teils Original-Steinboden aus 1850 und Kuppeldach, die schon VIPs wie Michael Schumacher (rund um den Monza-GP) frequentierten.

Stil & Ambiente | Stimmiger Mix aus Alt (Schränke und Schreibtische im Empire-Stil) und Neu (renovierte Bäder) Facilities | 2 Restaurants, das formelle „Mistral“ und das legerere „La Goletta“. American Bar, „Terrazza Darsena“ für Snacks und Aperitivo. Tennisplatz, Fitnesscenter mit Squashcourt, Außen- und Innenpool, Privatstrand, eigene Bootsanlegestelle. Spa | 6 Behandlungsräume auf 300 m2 Service | Nicht alle haben das Knowhow und die Klasse von Restaurantleiter Carlo Pierato Kontakt | Via Roma 1, 22021 Bellagio, T. + 39 031 950 216, www.villaserbelloni.com