GOOD TO KNOW: Branchen-Talk mit Corinna Döpkens

Die Kunst des Bleisure Travels

“Der Reiz im Bleisure Travel liegt darin, dass man an einem anderen Ort arbeitet, neue Ideen sammelt, sich Inspiration sucht.”

Bleisure Travel: Corinna Döpkens, Expertin für Business Travel & Mobility Management, macht sich für CC VIP auf die Suche nach dem perfekten Ort.

Ich arbeite viel unterwegs – das ist schon immer so gewesen, das mache ich gerne und anders kann ich es mir nicht vorstellen. Eine echte Bleisure Travellerin könnte man sagen, die genau weiß, wie dieses „Remote Work away from home“ funktioniert. Ganz so ist es aber nicht. Auch ich mache immer wieder neue Erfahrungen, teste aus und habe dann manchmal die Erkenntnis „Das mache ich so nicht noch einmal!“ oder „Warum habe ich das nicht schon früher für mich entdeckt?“. Reisen und Arbeiten – geht das überhaupt? Kann man egal wo auf der Welt arbeiten? Das ist gerade eine sehr aktuelle Diskussion. Meine Meinung dazu ist ein klares „Jein“. Ich kann nicht pauschal sagen, dass Remote Work rund um den Globus klappt. Jeder Mensch arbeitet anders und hat unterschiedliche Anforderungen, um unterwegs produktiv zu sein. Was für mich essentiell ist, kann für Sie völlig unwichtig sein. Finden Sie es für sich heraus und entwickeln Sie ein Bewusstsein für Ihre perfekte Bleisure-Reise oder Workation! Unterkünfte, die eine Geschichte erzählen! Der Reiz im Bleisure Travel liegt darin, dass man an einem anderen Ort arbeitet, neue Ideen sammelt, sich Inspiration sucht. Das geht natürlich nur in einer Unterkunft, die dieses auch zulässt. Für mich sind das oft Orte, die eine Geschichte erzählen, Häuser mit Tradition, Legenden in der Stadt. Das KPM Hotel in Berlin ist so ein Haus, eingebettet in die traditionsreichen Gebäude der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Oder das Hotel Oderberger, auch in Berlin. Dort wohnt man im alten Stadtbad am Prenzlauer Berg, die Schwimmhalle ist saniert, und man kann dort baden „wie früher“. In Leipzig habe ich gerade das Steigenberger Handelshof für mich entdeckt, ein altes Messegebäude mit einer imposanten Lobby, in der ich wunderbar in einer tollen Atmosphäre im öffentlichen Bereich mit meinem Laptop sitzen kann. Und in meiner alten Heimat Hamburg habe ich mich im HENRI Hotel Downtown sehr zuhause gefühlt: in einem alten Kontorhaus wohnen und arbeiten – das hat doch etwas! Das HENRI gibt es übrigens auch in Berlin, und es ist ebenfalls eine Bleisure-Reise wert.

“Kann man egal wo auf der Welt arbeiten? Von mir ist die Antwort ein klares Jein.”

Bleisure Base


„Perfekte Arbeitsbedingungen finde ich auf der Terrasse meines Appartements in St. James, Südafrika.”
“Vor jeder Bleisure-Reise ist ein 'Equipment-Check' strengstens empfohlen.”

Lage, Lage und nochmals Lage. Work-Life-Balance ist das Stichwort bei Bleisure. Neben dem produktiven Arbeiten will ich auch rausgehen und das Umfeld erkunden. Aber dieses Umfeld muss es dann auch geben. Deshalb ist für mich die Lage der Unterkunft superwichtig. Ich muss die schönen Ecken fußläufig erreichen können, muss Kraft tanken können – und das eben direkt vor der Tür. Das kann ein Park sein, das Meer und Strand oder ein schöner Kiez mit netten Cafés und Läden. Mit neuen Eindrücken zurück an den Schreibtisch oder in einen Termin gehen – das ist einfach klasse.

Workation zur Hauptsaison – never ever! In diesem Sommer kam ich auf die Idee, ein paar Tage auf Mallorca zu arbeiten. In einem Hotel in Palma, in der Hauptsaison, mit Zimmer zum Pool und bei 36 Grad. Das hat natürlich nicht geklappt. Mit geschlossenen Fenstern (wegen der lauten Musik von draußen) und mit Klimaanlage arbeiten – da habe ich es zuhause netter. Okay – das mache ich nicht wieder! Höchstens auf einer einsamen Finca oder außerhalb der Saison.

Eine gute Arbeitsatmosphäre ist das A und O! Zum Arbeiten brauche ich Ruhe. Nicht immer, aber sicherlich einige Stunden am Tag. Ich kann auch nicht immer auf dem Bett oder im Liegestuhl arbeiten. Manchmal brauche ich einen Schreibtisch oder zumindest einen großen Tisch. Etwas Büro-Feeling eben. Gerade für ein virtuelles Meeting mit Kunden oder Geschäftspartnern. Und wie sieht es mit der Technik aus: Gibt es genügend Steckdosen für meine ganzen Kabel? Wichtig ist für mich auch immer die Möglichkeit, im öffentlichen Bereich halbwegs konzentriert arbeiten zu können. In einer tollen Hotellobby, in der Kaminbar oder irgendwo im Outdoor-Bereich. Dort auch Videokonferenzen machen zu wollen – davon rate ich allerdings ab. Zu viel Ablenkung und Hintergrundgeräusche.

Equipment-Check vor jeder Reise! Das kennt wahrscheinlich jeder: Man ist unterwegs und hat sein Handyladegerät vergessen oder seinen Adapter für eine wichtige Präsentation beim Kunden. Das ist mir so oft passiert. Bei einem Tagestripp ist das noch irgendwie machbar. Wenn man länger unterwegs ist, ist es schwierig, und im Ausland kann es ein Desaster werden. Deshalb mache ich wieder und wieder vor der Abreise einen „Equipment-Check“. Gerade dann, wenn ich länger unterwegs bin, habe ich so einiges im Gepäck: einen Laptopständer, externe Tastatur und Maus, Airpods (und wenn die nicht funktionieren zur Sicherheit die klassischen Kopfhörer) und natürlich die ganze „Kabelage“. Einfach so im Ausland etwas zu kaufen, das ich vergessen habe, ist nämlich nicht möglich. Es fehlt dann zum Beispiel die deutsche Tastatur oder die Anschlüsse passen nicht. Das habe ich alles schon durch, ist nervig und zeitaufwändig – das braucht kein Mensch!

“Für mich ist die Lage der Bleisure-Unterkunft superwichtig.”

Berlin-Base?


„Optimal fürs Bleisure-Leben ist eine Sitzecke auf dem Zimmer im HENRI Berlin.”
“Bleisure Travel ist ein ewiges Learning.”

Never change a running system!? In meinen Top-Destinationen weiß ich mittlerweile, wo ich absteige. Langweilig, ja. Aber eben auch der sicheren Seite. Keine bösen Überraschungen, keine fehlende Kaffeemaschine oder Straßenlärm. In Berlin ist mein „2nd Home“ das LUX 11 (übrigens ein ehemaliges Militärkrankenhaus und danach Büro des russischen Geheimdienstes). Dort hat meine Schwester lange gearbeitet, das ist irgendwie Familie. In Kapstadt immer die Wohnung meiner Freundin Kim. Für mich ist oft auch der persönliche Bezug wichtig, um mich wohlzufühlen.

Und dann gibt es auch diese Tage: Ich habe Lust auf Veränderung und muss unbedingt eine neue Unterkunft testen. Manchmal ist das eine Neueröffnung oder ein neues Hotelkonzept, das mich reizt. Anforderungen und Vorlieben können sich im Laufe der Zeit auch ändern, sind vielleicht von den aktuellen Projekten, dem Workload und der Stimmung abhängig. Und auch Orte verändern sich. Gerade jetzt! In einigen Destinationen war ich lange nicht mehr. Dann kann es schon einmal passieren, dass es plötzlich nicht mehr passt. Und so geht es wieder auf die Suche nach einem neuen Zuhause auf Zeit. Bei neuen Destinationen ist das ohnehin so. Dann recherchiere ich stundenlang im Netz, höre mich bei Freunden und Geschäftspartnern um und probiere die Hotels – oder im Ausland auch mal Airbnbs – einfach aus. Das macht Spaß! Und meistens habe ich das richtige Gespür.

Für mich ist dieses Bleisure Travel ein ewiges Learning, ein ewiges Suchen nach dem perfekten Ort. Manchmal anstrengend, aber insgesamt hochspannend und inspirierend. Und das Wichtigste: Ich bin immer in Bewegung und entdecke etwas Neues – rund um den Globus und oft auch in mir selber.

“Ich bin immer in Bewegung und entdecke etwas Neues. ”

Corinna Döpkens ist Expertin für Business Travel & Mobility Management. Ihr aktuelles Thema ist Bleisure Travel & Workation. Ergänzend zu ihrer Beratungstätigkeit hat Corinna Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen im Studiengang Tourismusmanagement und engagiert sich in Business-Verbänden. Neben ihren Projekten in Deutschland und Europa unterstützt sie als Tourismusexpertin verschiedene Programme im südlichen Afrika und fördert den Aufbau nachhaltiger Partnerschaften in dieser Region. Wenn sie nicht in ihrer Wahlheimat auf der Insel Rügen ist, arbeitet sie von unterwegs – und das am liebsten in St. James bei Kapstadt. www.cd-travelmanagement.com