GOOD TO HEAR: Branchen-Talk mit Brett Armitage/Kerzner International

„Wir haben große Ambitionen zu wachsen”

Nachrichten-Feuerwerk bei Kerzner International: die Ankündigung neuer Destinations-Resorts bei One&Only, die Entwicklung brandneuer Marken und die anstehende Eröffnung des Atlanis The Royal in Dubai sorgen für viel Aufsehen in der Reisebranche. Kerzners CCO Brett Armitage verrät uns im Exklusivinterview die Details dieser beeindruckenden Expansionsstrategie.

Atlantis The Royal, Dubai

Seit Sie vor 15 Jahren angefangen haben, für Kerzner International zu arbeiten, scheint die Gruppe kontinuierlich zu wachsen, und mit der Entwicklung des Atlantis The Royal Resort & Residences in Dubai wird den Gästen das weltweit luxuriöseste Erlebnisresort versprochen. Ist Dubai bereit für ein zweites Atlantis?

Ich kam im Januar 2007 zu Kerzner, und das Atlantis The Palm wurde im September 2008 eröffnet. Da war ich stolzer Mitarbeiter Nummer acht. Damals schien es ein waghalsiges Projekt zu sein, ein 1539-Zimmer-Resort in Dubai zu eröffnen, denn vor 15 Jahren war Dubai als touristische Destination noch nicht so weit entwickelt wie heute. Durch das Engagement des Emirats, in die Infrastruktur der Stadt zu investieren und den Vorteil, eine Fluggesellschaft wie Emirates Airlines mit Drehkreuz in Dubai zu haben, wurde das Atlantis schnell erfolgreich. In den vergangenen 15 Jahren haben wir also nicht nur ein enormes Wachstum bei der Entwicklung neuer Hotels in Dubai erlebt, sondern auch die Expansion der Fluggesellschaft Emirates, die immer wieder neue Tourismusmärkte nach Dubai brachte. Durch die Eröffnung von Atlantis The Royal im November 2022, wird es in Dubai mit Sicherheit ein neues Wahrzeichen geben. Tatsache ist, dass wir mit diesem sehr herausfordernden Bauprojekt, das architektonisch massiv beeindrucken wird, unser bereits bestehendes Atlantis-Portfolio ergänzen möchten. Die besondere Atlantis-DNA soll dabei erhalten bleiben, aber das Atlantis The Royal wird einen noch erleseneren Luxus bieten: bei dem die Zimmer- und die Servicequalität auf ein noch höheres Niveau gehoben werden. Auch das Line-up an Restaurants, die wir mit mindestens sieben prominenten internationalen Küchenchefs eröffnen werden, darunter Heston Blumenthal und José Andrés, wird bahnbrechend sein. Ich bin überzeugt, die Entwicklung von Atlantis The Royal kommt wegen des immer noch wachsenden touristischen Interesses an der Destination Dubai genau zum richtigen Zeitpunkt.

Atlantis The Royal Sky-Pool

Können Sie uns einige der neuen Attraktionen nennen, die Gäste im Atlantis The Royal erleben können?

Was die Kerzner-Gruppe so stark macht, ist ihr beispielloses Engagement für die Gastronomie. Wir werden im Atlantis The Royal den weltweit ersten Nobu Beach Club eröffnen, ein wirklich spannendes Projekt. Ebenfalls sehr spektakulär wird der 90 Meter lange Sky-Pool im 22. Stock, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf die Palme und über die Skyline von Dubai haben wird. Außerdem wird es vielfältige Animation rund um das Resort geben, wie zum Beispiel einen einzigartigen Wasser- und Feuerbrunnen. Zu meinen Lieblingsattraktionen zählt das Aquarium in der Lobby, in dem über 4.000 Quallen zu sehen sein werden. Einfach nur das Leuchten dieser Quallen zu beobachten und die Art und Weise, wie diese mystischen Kreaturen durch das Wasser gleiten, ist magisch. Zusammengefasst verspricht das Atlantis The Royal eine Vielzahl an atemberaubenden Attraktionen in einem architektonisch höchst markanten Resort. Aber auch die unmittelbaren Gästeerfahrungen werden sehr gehoben und sehr durchdacht kuratiert sein. Viele davon sind Weltpremieren in der internationalen Hotellerie.

Wie viele Zimmer wird das Resort haben? Insgesamt 795, davon 44 Suiten, die über einen eigenen Pool verfügen. Die Suiten sind wirklich außergewöhnlich: Viele von ihnen haben spektakuläre Acryl–Pools, die teilweise aus dem Gebäude ragen. Wenn unsere Gäste aus ihren Suiten herausschwimmen und über dem Ozean schweben, wird das richtig dramatisch aussehen.

Rare-Finds-Hotel: Bab al Shams, Dubai

Die Kerzner-Gruppe expandiert enorm: Gerade hat sie eine neue Hotelkollektion namens Rare Finds angekündigt. Was ist die DNA von Rare Finds? Und warum wurde diese neue Marke entwickelt?

Rare Finds ist eine Kollektion von Hotels und Resorts, die die Seele der Destinationen und eine reiche lokale Kultur verschmilzt und reflektiert. Die Kollektion soll unverwechselbare und „Once in a lifetime“-Erlebnisse bieten. Weil bei Kerzner alle Hotels in erster Linie Freizeithotels sind, wissen wir auch, wie wichtig es ist, ein Wahrzeichen in einer Destination zu erschaffen, denn das ist die eigentliche DNA der Kerzner-Gruppe. Die Rare-Finds-Resorts sollen innerhalb des Portfolios auch eine starke individuelle Identität haben mit dem Ziel, die Marke zu einer sehr vielfältigen Kollektion von Resorts zu entwickeln, in der der individuelle Charakter jedes dieser Resorts zelebriert wird. Zum Beispiel: das Bab al Shams, das wir Anfang des Jahres als erstes Rare-Finds-Resort angekündigt haben, ist ein bereits etabliertes Resort in Dubai. Wir sind gerade dabei, das Hotel umfassend zu renovieren und das gastronomische Angebot zu verbessern. Das Einzigartige am Bab al Shams ist seine Lage inmitten der Wüste. Mit der Marke „Rare Finds“ soll diese einzigartige Wüstenerfahrung ausgiebig zelebriert werden. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Entwicklung der neuen Marke ist, dass die Hotels des Portfolios sich sehr stark auf Kulinarik- und außergewöhnliche Erlebnisse konzentrieren sollten. Sie sollten den Großteil ihres Umsatzes nicht mit Zimmern, sondern mit Speisen und Getränken oder einem einzigartigen Aktivitätenangebot erwirtschaften. Wir glauben bei Kerzner, dass es bei all unseren Hotels nicht nur um das reine Wohlfühlerlebnis auf den Zimmern geht, sondern um das Gesamterlebnis im Resort.

Ist es wahrscheinlich, dass Sie sich entscheiden, ein One&Only in ein Rare-Finds-Resort umzuwandeln?

Wir haben beschlossen, die Anzahl der One&Only-Hotels zu begrenzen, und das ist Teil unserer Wachstumsstrategie – auch wenn es zunächst wie ein Widerspruch klingt. Wir legen bei One&Only sehr viel Wert darauf, den Markenwert, den wir aufgebaut haben, zu erhalten und zu schützen – das ist zu jeder Zeit von größter Bedeutung. Dieser Ethos wird auch für Rare Finds und alle anderen Marken des Kerzner-Portfolios gelten. Aus diesem Grund, und weil jede unserer Marken, Atlantis, SIRO, One&Only und jetzt Rare Finds, so besonders und einzigartig ist, kann ich mir nicht vorstellen, ein One&Only-Resort in ein Rare-Finds-Resort umzuwandeln. Die Angebote und Gästeerlebnisse sind völlig unterschiedlich, und wir wollen diesen jederzeit treu bleiben.

Denken Sie für die Marke Rare Finds an bestimmte Destinationen?

Die Destination ist immer wichtig. Rare Finds ist als Marke etwas gefälliger als Atlantis oder One&Only. Und das war auch Teil unserer Entwicklungsstrategie, weil die Marke uns ein bisschen mehr Flexibilität bietet, auch solche Hotels in die Kerzner-Familie zu bringen, die nicht unbedingt in die Richtlinien von Atlantis oder One&Only passen. Bei allen neuen Hotels, die wir für eine unserer Marken in Erwägung ziehen, achten wir stets darauf, ob die jeweilige Destination die richtige für uns ist, um ein Hotel zu betreiben. Wir verfügen immer über Fachwissen über unser Zielgebiet, und haben ein Vertriebsmarketingnetz, das in der Lage ist, die jeweilige Destination zu fördern. Wir checken, ob das Reiseziel über genügend internationale Ankünfte oder über einen lokalen Markt verfügt, der das Hotel erfolgreich machen kann. Die Destination wird also immer ein sehr wichtiger Faktor bei der Überlegung sein, ob wir ein Hotel an einer bestimmten Location betreiben würden.

One&Only Portonovi, Montenegro

Letztes Jahr hat Kerzner auch eine neue Lifestyle-Marke namens SIRO angekündigt. Was hat es damit auf sich? Gute Frage. Ich sagte ja schon, wir haben große Ambitionen zu wachsen. Wir suchten nach einer Marke, die unser bestehendes Portfolio ergänzen könnte. So haben wir eine echte Nische gefunden. SIRO ist sehr spezialisiert auf Fitness und Wellness ausgerichtet. Es geht darum, die Grenzen zwischen Hospitality und Wellness zu verschmelzen und eine ganz neue Perspektive zu bieten. SIRO ist keinesfalls ein sogenanntes Wellness-Retreat-Erlebnis: Man hört ja jetzt oft, dass Reisende von heute viel gesundheitsbewusster sind, und viele verfolgen ja eine spezifische Ernährung oder ein personalisiertes Fitnessprogramm, das sie in ihr tägliches Leben integrieren können. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass unsere Gäste sich während ihres Aufenthalts weiterhin für ihr Wohlbefinden, ihre Ernährung und ihre Fitness engagieren können. Mit der Marke SIRO wollen wir mit weltweit führenden Unternehmen zusammenarbeiten, sei es aus der Investmentbranche oder aus den Bereichen Sport, Fitness, Ernährung und ganzheitliche Gesundheit, um ein umfassendes Netzwerk für den Erfolg der Marke zu schaffen. Gerade haben wir übrigens unsere Hotel- Partnerschaft mit dem Fußballklub AC Milan bekannt gegeben.

Welche Standorte suchen Sie für SIRO? Es werden vor allem urbane Standorte sein. Unser erstes SIRO, werden wir Ende 2023 in Boka Place, Montenegro eröffnen. Aber es kommen noch weitere spannende Ziele dazu.

Siro Boka Place, Montenegro

Kerzner hat angekündigt, dass demnächst zwei One&Only-Resorts in Griechenland und eines in den USA eröffnet werden. Liegen diese Destinationen jetzt im Fokus der Kerzner-Gruppe?

Auf jeden Fall. Also sowohl in den USA als auch in Europa haben wir einige wirklich spannende Projekte, weil viele unserer internationalen Gäste ja aus Europa und den USA stammen. Es macht also absolut Sinn, dass wir unser Portfolio da ausbauen, wo wir eine starke Markenbekanntheit haben. Wir haben bald insgesamt drei Resorts in Griechenland und Montenegro. Weitere werden folgen. Moonlight Basin in Montana haben wir auch schon angekündigt, ein wunderbares Projekt, dem weitere in den USA folgen werden. Nicht zuletzt, weil wir viele amerikanische Gäste haben, aber auch weil es hier viele Möglichkeiten für uns gibt, die Marke One&Only auszubauen.

Die Marke One&Only wird von deutschsprachigen Reisenden sehr geschätzt. Wie wichtig ist der deutschsprachige Markt für Sie?

Deutschland war schon immer ein sehr wichtiger Markt für uns. Und wenn ich an die Geschichte von One&Only und insbesondere an unsere Resorts in Dubai und im Indischen Ozean denke, war der deutsche Markt gerade hier besonders stark, ganz besonders auf Mauritius und auf den Malediven. Deutschland gehörte immer zu unseren fünf wichtigsten Quellmärkten. Das Royal Mirage Dubai war eine Zeit lang das meistverkaufte Hotel weltweit bei Airtours Deutschland. Wir haben immer eine unglaublich enge Beziehung mit den wichtigsten deutschen Reiseveranstaltern und auch zu kleineren Reisebüros geführt. Mich persönlich hat der deutsche Markt schon immer fasziniert, denn die Deutschen sind großartige und ambitionierte Reisende, und sie sind in der Regel die Ersten, die eine neue Destination aufsuchen. Wenn ich auf die Entwicklungsgeschichte Dubais zurückblicke, waren es deutsche Touristen, die als erste unter allen bedeutenden internationalen Märkten nach Dubai kamen. Wie Sie wissen, hat Dubai den Tourismus zu einer international begehrten Destination entwickelt, und diese Destination ist bis heute ein wichtiges Aushängeschild für unsere geografische Kundenvielfalt.

One&Only Mandarina, Mexiko

One&Only hat auch eine Kollektion von Privatresidenzen entwickelt. Wo befinden sich diese und wie werden sie von Ihren Kunden angenommen? Das ist eine aufregende Neuheit, die dadurch entstanden ist, dass unsere Gäste uns gefragt haben, ob wir Privathäuser entwickeln würden, damit sie sich in die Marke One&Only einkaufen können. Das erste Eigentumsprojekt, das wir auf den Markt gebracht haben, war im One&Only Le St. Geran auf Mauritius, und das hat sich unglaublich gut verkauft. Tatsächlich kommen einige der wichtigsten Käufer aus dem deutschsprachigen Raum. Im Moment bieten wir auch Privatresidenzen im One&Only Mandarina in Mexiko und im One&Only Moonlight Basin in Montana an. Gerade haben wir die erste Phase veröffentlicht, und sie waren fast sofort ausverkauft. In Dubai verkaufen wir zur Zeit 90 Markenresidenzen an einem urbanen Standort im neuen One&Only Zabeel. Schon jetzt haben wir Reservierungen für 60 davon. Auch in unseren europäischen Häusern in Montenegro und Griechenland bieten wir Privateigentum an. Das Tolle an all diesen Projekten ist, dass es für uns ein Vertrauensvorschuss gegenüber der Marke One&Only ist.

Wurde die Nachfrage durch die Pandemie verstärkt?

Ja, aber eigentlich begann es schon vor der Pandemie. Die Art und Weise, wie wir heutzutage arbeiten, hat sich einfach generell geändert. Die Menschen haben erkannt, dass die Bindung an ein städtisches Büro nicht mehr unbedingt der Lebensstil ist, den sie wollen oder brauchen. Wir wissen, dass unsere Privatresidenzen mit gutem Internet ausgestattet sein sollten denn in vielen Fällen, richten sich die Käufer ein Homeoffice ein und nutzen ihr zweites Zuhause als Basis, um auch von weiter entfernten Standorten aus arbeiten zu können. Ich persönlich glaube, dass unsere Residenzen besonders diejenigen ansprechen, die heute nach einer anderen Lebensqualität suchen als vielleicht noch vor drei Jahren.

Hat sich das Profil Ihrer Gäste seit der Pandemie verändert?

Darüber wurde ja viel diskutiert. Ich finde, es ist sehr schwer, eindeutige Schlussfolgerungen über Veränderungen bei den Gästeprofilen zu ziehen. Was sich ein wenig geändert hat, ist offensichtlich die Möglichkeit für verschiedene Nationen wieder zu einigen unserer Hoteldestinationen zu reisen. Aber ich glaube, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen spezifischen Trend – außer, dass jetzt mehr Menschen sehr viel mehr reisen. Wir erleben gerade eine sehr starke Nachfrage in unseren Hotels auf der ganzen Welt. Überraschenderweise gibt es jetzt in der Nebensaison eine größere Nachfrage als in den vergangenen Jahren. So haben wir auf Mauritius eine viel höhere Auslastung, als ich sie je in den Wintermonaten gesehen habe. Auch in Dubai, sowohl im Atlantis als auch im One&Only, ist die Nachfrage viel größer als in den Vorjahren, obwohl im heißen Sommer normalerweise weniger Touristen in das Emirat einreisen. Die wichtigste Erkenntnis, die wir gemacht haben, ist, dass die Pandemie die Reiselust der Menschen nicht gedämpft hat. Im Gegenteil, sie hat wahrscheinlich zugenommen.

One&Only Nyungwe House, Ruanda

Eine letzte persönliche Frage. Welches ist Ihr Lieblingsreiseziel auf der Welt?

Ich liebe den ganzen afrikanischen Kontinent, und ich liebe Safaris über alles. Weil man sich hier für neue Erfahrungen öffnet, ganz andere Kulturen sieht und dabei erfährt, wie andere Menschen und Gemeinschaften leben. Draußen im Busch zu sein und zu sehen, wie die Tiere leben und wie das Ökosystem der Tiere interagiert, ist für mich der wahre Wert des Reisens: Wenn die Seele sich öffnet, um Dinge zu sehen, die wir in unserem Alltag nicht kennen.

Waren Sie selbst auch in einem der One&Only-Hotels in Ruanda?

Ja, und ehrlich gesagt, auch wenn es sich wie ein schreckliches Klischee anhört, ist es einfach wahr: Die Gorillas zu beobachten, ist die wunderbarste Erfahrung, die man im Leben überhaupt machen kann. Das Betrachten echter, unverfälschter Zuneigung und der Intimität zwischen den Familienmitgliedern der Tiere, der Anblick des majestätischen Silberrückens, der über seine Familie wacht, und wie die Gorilla-Babys munter herumtollen. Während die Familiengruppe interagiert, darf man für einen Moment ein Teil davon sein: Das ist einfach überwältigend. Außerdem kann man den hohen Stellenwert, den der Tourismus für lokale Gemeinschaften und Länder wie Ruanda hat, hautnah erleben. Gorillas waren vom Aussterben bedroht, und jetzt wächst die Population offensichtlich wieder. Ich fühle mich deshalb sehr privilegiert bei dem, was ich mache, weil ich diese Momente auch für andere Menschen schaffen kann. Natürlich bin ich in erster Linie Chief Commercial Officer und werde letztendlich daran gemessen, wie hoch die Einnahmen am Ende des Jahres sind. Aber meine wahre Leidenschaft ist es, anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, diese wunderbaren Resorts, die wir haben, selbst zu erleben.

www.kerzner.com

Interview: Simone Dressler

One&Only Gorillas Nest, Ruanda