CC VIP Experts unterwegs: Seabourn Odyssey

Glamour on the Rocks

„Auf der Seabourn Odyssey beträgt die Space to Guest Ratio 71”

Das „Abenteuer Alaska“ hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Erst recht nicht, wenn man Amerikas hohen Norden mit einem Schiff wie der Seabourn Odyssey entdeckt. Denn dann gesellen sich zum eleganten Ambiente und der exquisiten Cuisine auch noch einzigartige Ausflüge mit den bordeigenen Kajaks und Zodiacs.

TEXT: JÖRG BERTRAM

Bleiben Sie stets bei Ihrer Gruppe und verlassen Sie keinesfalls die ausgeschilderten Wege! Machen Sie durch lautes Sprechen auf sich aufmerksam! Sollte Ihnen ein Bär begegnen, treten Sie ohne hektische Bewegungen den Rückzug an! Rennen Sie nicht, und drehen Sie dem Tier auf keinen Fall den Rücken zu ...!“ Da, wo nach dem Beziehen der Kabine normalerweise eine Flasche Champagner und ein süßer Willkommensgruß auf uns Gäste wartet, finden wir heute auch noch einen fettgedruckten Sicherheitshinweis. Es ist der erste Tag unserer Kreuzfahrt. Hinter uns liegt ein langer Transatlantikflug, vor uns die Skyline von Vancouver – und die Aussicht auf eine Woche Abenteuer Alaska.

Mit knapp 400 Gästen, die meisten Amerikaner, ist die Seabourn Odyssey auf dieser Reise fast ausgebucht. Der Grund, warum uns das Schiff trotzdem so viel Raum für Freiraum bietet, ist die beeindruckende „Space to Guest Ratio“. Sie gibt an, wie viel Platz jedem Passagier im Verhältnis zur Gesamtgröße, der sogenannten Tonnage, zur Verfügung steht. Auf der Seabourn Odyssey beträgt diese Ratio 71 – auf vielen anderen Fünf-Sterne-Schiffen kaum die Hälfte.

CC-VIP-Autor Jörg Bertram in der Glacier Bay
„Das Interieur ist lässig, luftig, elegant.“
„Das ,Venture by Seabourn‘- Programm bietet eine Vielzahl an geführten Radtouren, Wanderungen sowie Zodiac- und Kajakexkursionen.”

Der nächste Morgen: Auf dem Weg nach Ketchikan erwartet uns ein langer Seetag. Oder sollten wir vielleicht besser „ein kurzweiliger Sehtag“ sagen? Den ersten Wal haben wir jedenfalls schon beim Frühstück auf dem Balkon unserer Veranda-Suite gesichtet. Bis zum Lunch werden sich drei weitere Exemplare, sowie zwei über dem Pooldeck kreisende Adler hinzugesellen. Mindestens so atemberaubend wie der Anblick von Schwanzflossen und Vogelschwingen ist auch die Aussicht auf die im Zeitlupentempo vorüberziehende Landschaft: tiefblaues Wasser, graue Felsinseln, grüne Bergriesen, schneeweiße Gipfel – und kein Anzeichen von Zivilisation. Später am Nachmittag erfahren wir von einem der mitreisenden Lektoren, dass wir gerade den letzten noch intakten gemäßigten Regenwald der Welt durchkreuzen. Bis zu 3.000 Liter fallen hier jährlich pro Quadratmeter. Heute erinnern daran aber nur ein paar Nebelschwaden, die sich im Tannendickicht in Luft auflösen.

Den Zusatz „The First City“ verdankt Ketchikan seiner Lage. Wer früher von Süden kam und weiter oben im Land sein Glück beim Goldsuchen oder Pelztierjagen suchte, machte hier zum ersten Mal Halt, um sich eine Pause zu gönnen und den Proviant aufzufüllen. Statt Horden wilder Trapper sind es inzwischen Massen wohlsituierter Kreuzfahrttouristen, die das 15.000-Einwohner-Nest während der Sommermonate in Beschlag nehmen. Mehr als die weltweit größte Totempfahlsammlung, ein zum Museum umgebautes Bordell sowie eine Handvoll hübscher Holzhäuschen am Creek hat man allerdings nicht zu bieten. Auch die meisten anderen Destinationen dieser Reise bestehen meist nur aus Souvenirshops, Saloons, Supermärkten sowie mit etwas Glück auch noch aus einem orthodoxen Sakralbau (Bis zum Jahr 1867 war Alaska nämlich eine russische Überseekolonie, die dann, bei einem legendär dummen Deal für gerade einmal 7,2 Millionen Dollar an die USA verkauft wurde). Statt mit Sehenswürdigkeiten punkten Sitka, Skagway, Haines oder Juneau dafür aber mit ausflugsfreundlichen Toplagen. Vom Ortszentrum bis in die unberührte Natur sind’s selten mehr als ein paar Minuten. Seabourn-Passagiere, die die Wildnis nicht per Bus, Van oder Limousine erkunden möchten, können auch Seaplane- oder Helikopterflüge buchen. Oder sie entscheiden sich für das innovative „Venture by Seabourn“- Programm mit einer Vielzahl an geführten Radtouren, Wanderungen sowie Zodiac- und Kajakexkursionen.

„Tiefblaues Wasser, graue Felsinseln, grüne Bergriesen, schneeweiße Gipfel – und kein Anzeichen von Zivilisation.”
„Die phantastische Natur liefert verlässlich täglich Highlights.“
„ Wir genießen das Naturspektakel mit einem Glas Champagner in der Hand vom Whirlpool auf Deck 7 aus.”

Doch für uns heißt es zunächst einmal „back on board“, wo im „The Grill by Thomas Keller“ ein Tisch fürs Abendessen vorbereitet ist. Hoch oben auf Deck 8 gelegen, ist es das einzige Restaurant, in dem die Gäste vorher reservieren müssen. Dafür bekommen sie nicht nur die edel gestylte Gourmetversion eines typisch amerikanischen Steakhouse geboten, sondern auch Panoramablick aus bodentiefen Fenstern. Kaum weniger aussichtsreich präsentieren sich auch das Buffet-Outlet „The Colonnade“ mit großer Terrasse und das legere, unterm freien Himmel befindliche „Earth & Ocean at The Patio“, in dem gesmokte Spareribs auf Trüffelpüree und an gegrilltem Spargel serviert werden. Klassisches Fine Dining auf hohem Niveau ist hingegen im eleganten Hauptrestaurant angesagt. Und für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es eine Coffee Bar, die Frühaufsteher bereits um 6 Uhr morgens mit Cappuccino to go und ofenwarmem Croissant versorgt. Gar keine Lust, die eigene Kabine zu verlassen? Dann können Caesar Salads, Club Sandwiches, Cheesecakes & Co. natürlich auch rund um die Uhr beim Room Service bestellen werden.

Tag 4: Der Glacier-Bay-Nationalpark markiert nicht nur den nördlichsten Punkt, sondern auch das landschaftliche Highlight unserer Reise. Bereits am frühen Morgen sind in Höhe des Visitor Centers zwei Rangerinnen an Bord gekommen. Zwölf Stunden lang werden sie uns begleiteten, Fragen beantworten und darüber wachen, dass die Seabourn Odyssey bei der Passage der eisigen Fjordlandschaft den sonnenbadenden Seelöwen nicht zu nahe kommt. Für den Kapitän bedeutet so ein Tag Gletschergucken Schwerstarbeit, denn vielfach ist das Wasser im Fahrgebiet von winzigen Felsinselchen und umhertreibenden Eisschollen durchzogen. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass so ein wolkenkratzer- hoher Gletscher gerade dann kalbt, wenn das Schiff vorbeigleitet. Dann heißt es schnell beidrehen und der Wucht der entstehenden Welle ausweichen.

Wir genießen das Spektakel mit einem Glas Champagner in der Hand vom Whirlpool auf Deck 7 aus. Ein noch wohlig-wärmerer Logenplatz für einen Tag in klirrender Kälte lässt sich auf der Seabourn Odyssey nicht finden. Kaviar-Splashs auf dem Sonnendeck, Zodiac-Fahrten bei Sonnenaufgang, aber auch ruhige und aussichtsreiche Stunden in der eigenen Veranda-Suite oder in der fast 360-Grad-verglasten Observation Lounge: Die Seabourn Odyssey mit all ihren luxuriösen Angeboten und Einrich- tungen ist auf dieser Reise mindestens ebenso Teil des Erlebnisses wie Alaskas Landschaften und Wildlife.

Achja, für den Sicherheitshinweis in Sachen Bärensichtung sind wir am Ende dann auch noch richtig dankbar: Am sechsten Tag der Reise treffen wir beim Radfahren nämlich tatsächlich eine Bärenmutter mit ihrem Jungen! „Treten Sie ohne hektische Bewegungen den Rückzug an. Rennen Sie nicht, und drehen Sie dem Tier auf keinen Fall den Rücken zu ...“ Auch wenn wir alles richtig machen, sind wir froh, dass außer uns auch noch ein Guide vom „Ventures by Seabourn“-Team bei dieser Begegnung der ganz besonderen Art dabei ist.

„Am sechsten Tag der Reise treffen wir beim Radfahren nämlich tatsächlich eine Bärenmutter mit ihrem Jungen!”

SEABOURN ODYSSEY

SUITEN: Insgesamt 225 zwischen 25 und 125 m2. 90 Prozent verfügen über einen eigenen Balkon. Marmorbäder mit Wanne sowie begehbare Kleiderschränke gehören zur Grundausstattung. Je nach gebuchter Kategorie können die Suiten darüber hinaus mit separaten Schlafzimmern, Gästebädern, Whirlpools und In-Suite-Spa-Services aufwarten.

CC-VIP-TIPP: Veranda-Suiten auf den Decks 9 und 10; außerdem die Owners-Suiten 801, 802 und 731 (in Schiffsmitte).

STIL & AMBIENTE: lässig-elegant. Feste Tischzeiten und Dresscodes gibt es nicht (abgesehen von einer „Formal Night“ pro Woche). Das Interior wirkt luftig und elegant. Was uns besonders gefällt, ist der Seabourn Square mit Coffeshop, Bibliothek und einem unkonventionell gestalteten Rezeptionsbereich. Top sind die großzügigen Freidecks im Bug- und im Heckbereich. Einer unserer Lieblingsplätze: die Sonnenterrasse mit spektakulärem Ausblick von Deck 11!

RESTAURANTS & BARS: Insgesamt sechs Restaurants & Bars. Alle Speisen sowie die meisten Getränke sind im Reisepreis enthalten. Hauptrestaurant „The Restaurant“ mit internationaler Cuisine. Buffetrestaurant „The Colonnade“ mit Terrasse und Themenbuffets. „The Grill by Thomas Keller“ mit gehobener Steakhouse-Küche (Reservierung erforderlich) Outdoor-Patio-Grill mit Grillspezialitäten, Salaten und Snacks. „Observation Bar“ mit Apero-Buffet, Coffee-Bar

BORDUNTERHALTUNG: „Grand Salon“ mit Show-Ensemble und Gastkünstlern, „The Club“ mit Live-Musik und DJ, Casino, Cardroom, Bibliothek, Bordshop, Juwelier

SPORT & SPA: Sehr großzügige Spa-Area (820 m2) mit Sauna, Dampfbad, Wärmeliegen und eigenem Deckbereich. Gym und Coiffeur

SERVICE: Ausgesprochen charmant und hochprofessionell! Selten haben wir uns an Bord eines Kreuzfahrtschiffes so gut und so umfassend umsorgt gefühlt. Ein großes Plus gibt es auch für das innovative Ausflugskonzept „Ventures by Seabourn“.

TECHNISCHE DATEN Fertigstellung: 2009 Länge: 199 Meter Breite: 26 Meter Tiefgang: 6,4 Meter Geschwindigkeit: 19 Knoten Passagierdecks: 8 Passagiere: max. 450

Crew: 330 Passagier-Crew-Verhältnis (PCR): ca. 1,36 Bordsprache: Englisch Reederei: Seabourn Cruise Line

www.seabourn.com