GOOD TO GO: Destination des Monats

Quality Time in Qatar

Für einen kurzen Stopover oder einen Longstay-Aufenthalt perfekt: Qatar und seine Hauptstadt Doha, stellte CC-VIP-Autor Robert Haidinger fest, locken mit tradtionellen arabischen Märkten, preisgekrönter Architektur und Ausflügen in ein spektakuläres Hinterland.

Unerwartet anders!

Dass Meere ineinanderfließen kommt auf einem Planeten, der von oben betrachtet so herrlich blau leuchtet, ja immer wieder mal vor. Sandmeere sind davon in der Regel ausgeschlossen. Die gelben Wogen hoher Dünen und die Salzwasserwellen bleiben meistens sauber separiert. Wer jedoch am frühen Morgen von Doha aufbricht, um die Küste in südlicher Richtung hinunterzurollen, sieht das zum Sonnenaufgang ein wenig anders. Khor Al Adaid heißt jene atem beraubende Lagunenlandschaft, die sich in der Stille des frühen Morgens vor einem ausbreitet. Seekühe leben hier. Die bedrohten Oryx-Antilopen sollen wieder angesiedelt werden. Und für Kormorane, Flamingos und Wattvögel ist die zauberhaft schimmernde „Inland Sea“ bereits jetzt ein beliebter Nistplatz. Die UNESCO hat das Binnenmeer als Naturreservat mit eigenem Ökosystem anerkannt: Es ist einer jener seltener Orte, in denen das Meer tief in die Wüste vordringt. Irgendwie einzigartig. Unerwartet anders. Berührend, wo man es kaum erwartet hätte. Diese spontane Feststellung stellt sich im kleinen Qatar, das stets ein wenig wie ein grundsolides Unternehmen mit Triple-A-Rating wirkt, immer wieder ein.

Aufbauend selbstbewusst!

Fährt man die paar Kilometer von Dohas Airport Richtung Stadtzentrum, ist alles ganz einfach: Fein säuberlich aufgereihte Dattelpalmen addieren sich zur sieben Kilometer langen Corniche. Historische, hölzerne Dhaus laden zum Cruisen ein. Ist man am frühen Abend unterwegs, sieht das Glitzern der aus dem Boden gestampften Stadt besonders verführerisch aus. Ikonische Bauten wie der taillierte Aspire Tower, oder Jean Nouvels im Stil altarabischer Turmbauten ausgeführter Doha Tower legen Zeugnis vom erwachten Selbstbewusstsein der Bauherren ab. Die schlanke Spirale der gleichnamigen Spiral Mosque weist hinter schaukelnden Dhaus den Weg zum zentralen Souq Waqif, für viele der traditionellste Basar der gesamten Golfregion. 2004 wurde der alte Beduinenmarkt zur Gänze renoviert. Historische Baumaterialien kamen dabei zum Einsatz, nun überlagern sich diese Facetten des Alten Orients mit Shisha-Auszeit, und beides mit dem zeitlosen Duft der Gewürze. In bester Nachbarschaft befinden sich die labyrinthischen Marktzeilen ohnehin. Da wäre das millionenschwere Glimmen im Goldsouk. Stilistisch passende, intime Restaurants, denen das Safran- und Muskatnuss-Gen fest eingeschrieben ist, residieren hier neben kleinen Kunstgalerien. Am Rande des Basars überrascht schließlich der Falken-Souq – eigentlich eine Art lebendes Volkskundemuseum in Sachen arabischer Falknerei, zu dem auch ein eigenes Falkenspital gehört.

Historie mit Zukunft

Zeitreisen in jede beliebige Richtung, Eintritt kostenlos – dazu fordert eine Stadt wie Doha auf vielfältige Weise auf. Da wären zum Beispiel die gut hundert Jahre alten Barzan Towers, die an sonnengebacke XXL-Varianten jener Sandburgen erinnern, die entspannte Familienväter für ihren Nachwuchs gerne am Strand errichten. Oder nehmen wir den nahen Museumskomplex Msheireb, der die geschichtliche und kulturelle Entwicklung Katars zelebriert, und dessen vier historische Gebäude nun sinnstiftend für die Regeneration des alten Stadtzentrums stehen. Das gänzlich neu errichtete Katara Cultural Village spürt dem Thema Heritage hingegen auf ganz andere Weise nach: ein Amphitheater, Taubentürme, moderne Recycling-Skulpuren, Street Art und eine glamouröse goldene Moschee laden hier zum beschaulichen Bummeln ein – und eine imposante Filiale der Galeries Lafayette zum Shoppen. Die Message ist klar: Doha versteht sich als Einladung in einen Mittleren Osten, in dem sich kulturelles Erleben und hochkarätiger Konsum fein getunt die Waage halten.

Überall Hochkarätiges

Und wie schaut es jenseits des urbanen Flächenrasters der Hauptstadt aus, in dem mehr als 90 Prozent aller Katari leben? Von Dhau-Romantik, die im Rahmen halbtägiger Cruises gerne auch mit BBQ und einem Stopp auf der sandigen Al Safliya Island angeboten wird, war ja schon die Rede. Von den künstlich aufgeschütteten Inseln und Yachtclubs, die zwischen azurblauem Himmel und einem petrolgrünen Meer – sowie zugleich zwischen „man made“ und „echter“ Natur – treiben, noch nicht. Die beiden hufeisenförmigen Inseln von The Pearl sind so ein Fall. Perfekt für Stand-up-Paddler: das Banana Island Resort, ein Haus der Anantara-Gruppe. Ganz neu am südlichsten Punkt des Urbanisierungsprojekts Lusail: die beiden gekrümmten Türme der Katara Towers, die einen Halbmond andeuten und zugleich zwei Schwerter, und die demnächst ein Fünf-Sterne sowie ein Sechs-Sterne Hotel beherbergen werden. Die hochkarätigen Bauten der am nordwestlichen Stadtrand nach Plänen des japanischen Architekten Arata Isozaki entstandenen Education City schlagen in eine etwas andere Kerbe – und verheißen einen architektonischen Augenschmaus der Superlative. Dazu gehören: eine Moschee, die ein wenig wie ein gestrandeter Wal aus einer weit entfernten Galaxie ausschaut und eine öffentliche Bibliothek der Rotterdamer OMA-Architekten, die an ein weit aufgeschlagenes, von Licht geflutetes Buch erinnert. Außerdem beleben internationale Universitäten das offene Viertel. Vor dem modernen Hospital zeichnen großformatige Skulpturen des weltberühmten britischen Bildhauers Tony Cragg den embryonalen Zyklus nach – auch wenn sich religiöse Hardliner daran rieben.

Seitenblicke auf Hingucker

Dohas bekannteste Stararchitektur ist ohnehin unübersehbar. Ebenfalls ein Hingucker: Jeans Nouvels Nationalmuseum von Katar mit einer filigranen Sandrose als Erkennungszeichen. Spaziert man durch das abwechslungsreich illuminierte Innere, dann beleben Oryxe, Wale und Wüstengräser die sanften Raumkrümmungen und höhlenähnliche Zonen des poetischen Entwurfs, während giftgrün lackierte Pipelineventile und -rohre von der jüngeren, in Öl gepinselten Geschichte erzählen. Weil für Katar das Beste prinzipiell gerade gut genug ist, hat auch das Museumsrestaurant einen klingenden Namen: Das Jiwan by Alain Ducasse gehört zum Emporium des legendären Sternekochs. Fast beschleicht einen das Gefühl, Qatar treibe auf aufregende Weise quer durch die Zeit und erfinde sich ständig neu. Jüngster „Beweis“ für diese These: Gerade versucht man, sich als Sportdestination von Weltruf zu etablieren. Außer der Fußball-WM, einem ATP Tennis Open sowie einem Wüstenmarathon sollen im nächsten Jahr auch Formel-1-Rennen in Qatar stattfinden. Zur Geschwindigkeit des Landes würde es jedenfalls gut passen …

WOHNEN ■ Banyan Tree Doha Das zentral im Stadtteil Mushaireb gelegene Hotel überzeugt mit fantasievollem Design: Der international bekannte Innenarchitekt Jacques Garcia schuf dabei organische Strukturen und ließ in der Lobby silbrige Bäume aus dem Boden wachsen. Ein Highlight sind die zehn Meter hohen Nussholzstrukturen der Bar Vertigo im 28. Stock. Gleich neben dem Hotel verweisen konische Glastürme auf den ersten Underground-Rollercoaster der Welt. banyantree.com

■ Banana Island Resort Doha by Anantara 20 Bootsminuten vom Festlandtrubel – wer es eiliger hat, landet am Helipad – erstreckt sich dieses Resort mit Overwater-Bungalows und unterschiedlichen Villenkategorien. Größtes Plus ist aber der Beach vor der Tür. anantara.com

■ Mondrian Doha Hotel Das vom Niederländer Marcel Wanders gestaltete Interior sorgt für fast psychedelische Fairytale-Atmosphäre: Alice in Arabien. Zu den Highlights zählen der Rooftoppool mit der größten Tiffany-Glaskuppel weltweit sowie die ikonische, ins Nichts führende Spiraltreppe der Lobby. Das Café nebenan verwandeln weiße Kunststoffbäume in einen zauberhaften Wald. Im Mega-Spa (12 Behandlungsräume) dominieren Gold und Mosaike. morganshotelgroup.com

ESSEN

■ Morimoto Das erste Restaurant des weltberühmten „The Iron Chef“ Masaharu Morimoto im Mittleren Osten. Typisches Entree für dessen kreativen Kochstil: Austern und Foie Gras. Die Spicy Alaskan King Crab wird mit Micro-Cilantro und grüner Mango kombiniert. ironchefmorimoto.com

■ Nobu Doha Der deutsche Küchenchef Andrew Bozoki überwacht Matsuhisas legendäre Verbindung von japanischer Küche und exotischen Zutaten aus aller Welt. Das spektakulär am Ende eines Stegs beim Four Seasons Doha gelegene Restaurant punktet auch in architektonischer Hinsicht. noburestaurants.com ■ Jiwan By Alain Ducasse Inmitten eines von Dünen inspirierten Interiors wird einer zeitgemäßen Interpretation der katarischen Cuisine gehuldigt. Alain Ducasses Philosophie – Kochkunst im Einklang mit natürlichen Rhythmen – sorgt bei Wagyu Beef Brisket oder dem Starter aus Kamel-Kirchenerbsen-Linsen für überraschende Geschmäcker. Das Restaurant befindet sich im Nationalmuseum von Katar. www.jiwan.qa

■ Hakkasan Doha Zeitgemäße Interpretation südchinesischer Hakka-Cuisine inmitten eines traditionellen Settings im Stile chinesischer Schreinerei. Das Chefs Menu kreist um das schöne Prinzip der Seerose. Das Restaurant befindet sich im St. Regis Doha. hakkasan.com ■ Parisa Souq Waqif Spiegelsaal à la Versailles meets Prince of Persia. Dieses prächtige Motto wird vom Esserlebnis hervorragender persischer Kulinarik in den Schatten gestellt. T. +974 4441 1494

Allgemeine Infos: www.visitqatar.qa